Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 8 (1859)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Jehuda Alcharisi als Kritiker
- Date
- 1859-01-01
- Page
- Seite 222 (sequence 10)
- Language
- German
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222 יי׳ Die hebr. Literatür bietet die Eigenthümlichkcit, daß manches sich in ihr findet, welches keinen Namen hat. 'So ist für den Begriff Ideal und idealifche Anschauung, obwohl schwer zu definircn, und dennoch das innerste Wesen der modernen Poesie, kein bestimmter Ausdruck vorhanden. Das Wort Ideal, insofern es von dem Worte Idea stammt, ist dem Real entgegengesetzt. In diesem Sinne spricht Home (Elemens of criticism II) von der ideal presenee (idealen Gegenwart) der Dinge ,' im Gegensatz von der real presenee (wirklichen Gegenwart). D'Jsraeli (The literary Character Th eil II. S. 4 Ed. -Loncl. 1822) bemerkt, daß Home diesen Ausdruck zuerst gebraucht hat. Dieser Ausdruck mit allem was damit zusammenhängt gehört-nicht hieher, sondern in die Philosophie. Id eal ist immer Gegensatz des Realen. Dichter haben sich von 'der wirklichen Welt abgewandt um in ihrer Welt, die sie sich aufgebauet haben, friedlich und selbstgenugsam zu leben. Diese Gemüthsstimmüng heißt ideal. Ohne hier,tiefer in die Sache einzugehen, wollen wir dem Leser nur Schiller's ״Die Ideale" in'S Gedächtniß rufen. ' Das Gedicht desselben ״Das Ideal und das Leben" schließt sich dem Sinne׳ nach dem erstgenannten an. Die Worte in diesem Gedichte: Fliehet aus dem engen dumpfen Leben In des Ideales Reich öffnen die Pforte für alle höheren Anschauungen und sind der Mittelpunkt für alle Bildung. Das Wesen des Elegischen ist idealisch, obwohl nicht alles idealifche elegisch ist. Die Elegie selbst, insofern sie sich auf den Verlust einer speciellen Person oder Sache beziehet,-heißt im hebr. nop (Klagelied). In diesem Worte, welches kein Adjectiv zu bilden erlaubt, liegt nur die wirkliche Klage über den wirklichen Verlust. Es schließt nicht in sich das was wir heute elegisch im höhern Sinne nennen. Das Idealifche, das Elegische gehet durch alle Gattungen der Poesie. Es ist die Seele der beschreibenden Poesie, wenn sie nicht kalt und blos naturhistorisch sein soll. Die sichere Genauigkeit der Beschreibungen die ThomsonS ״Jahreszeiten" so berühmt gemacht haben, ist von Schillers ״Spaziergang" übertroffen. Schillers Idealität war es, welche die Palme errungen hat. ׳ , Es würde schwer halten im Hebräischen einen passenden Ausdruck für Ideal, idealisch zu finden. Man muß sich nicht darüber wundern, ist ja in den neuern Sprachen selbst diese Be¬