Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 8 (1859)
- Issue
- Heft 5
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1859-01-01
- Page
- Seite 181 (sequence 6)
- Language
- German
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181 Recensionen und Anzeigen. In 26 angefügten Beilagen von mehrerem und minderem Interesse (S. 367 — 485) verbreitet sich der gelehrte Vers, über viele den Piutim eigentümliche Ausdrücke und Formen, über Andeutungen vom Gesang der Vorbeter in älteren Piutim, über aramäische Wörter aus Talmud und Targum im Piut, über die verschiedenen in den Piutim vorkommenden Bezeichnungen der die Israeliten bedrückenden Völker und Religionsparteien (die jedoch als häufig blos Erguß augenblicklicher Aufwallung diese neue sorgfältige Registrirung nicht verdienen), über einige Engelnamen und anthropomorphistische Säße. Der Umstand, daß der Verfasser es unterlassen, sein oben besprochenes Werk mit einem einleitenden Vorworte zu begleiten, hatte Manche in Ungewißheit versetzt, ob dasselbe in dem vorliegenden Bande abgeschlossen sei, oder ob dieser so zu sagen plastischen Darstellung der synagogalen Poesie auch eine historische Entwickelung, wie der jüdische Ritus in den. verschiedenen Zeitaltern und Gegenden sich nach und nach umgebildet habe, folgen werde. Willkommen war daher allen Freunden dieses Literaturzweiges die, Kunde, daß nach einem Zwischenräume von drei Jahren nunmehr die zweite Abtheilung, betitelt ״die Ritus (der lateinische Plural) des sh nagogalen Gottesdienstes, erschienen sei. — Der Wissensschatz Zunz's ist hier aufgespeichert! Man staunt über die Ausdauer, womit Z. auch die scheinbar minutiösesten Dinge erörtert und in ihnen Stoff zu wissenschaftlichen Zwecken findet. Die Natur des Gegenstandes bringt es allerdings mit, daß hier leicht die Grenze überschritten und vielleicht Einiges, das minder bedeutend, mit zu großer Ausführlichkeit dargestcllt wird. Der gelehrte Vers, entschädigt uns jedoch dafür mit manchen interessanten Resultaten und den in den Beilagen enthaltenen eruditen Untersuchungen über verschiedene altere und neuere Werke. Andererseits suche man in dem Buche nicht detaillirte Beschreibungen aller Liturgien der einzelnen Länder; die Absicht des Verf. war vielmehr, wie schon angedeutet, dahin gerichtet, den Charakter und den Zusammenhang der ganzen Ritusbildung darzustellen. Man bedenke, daß es keine leichte Sache istden so gewaltigen Stoff in ununterbrochener Abhandlung gleichsam historisch zu bilden. Wir hätten es allerdings vorgezogen, das Buch in Capitel oder Abschnitte einzutheilen; Vieles wäre dadurch lichtvoller hervorgetreten. Doch mögen auch vielleicht äußere Gründe den geehrten Vers, veranlaßt haben, das Werk, ohne eine -solche Capitelsonderung, welche nochmalige Ueberarbeitung mancher Partien verursacht hätte, dem Druck zu übergeben.