Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 8 (1859)
- Issue
- Heft 5
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1859-01-01
- Page
- Seite 180 (sequence 5)
- Language
- German
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Recenfionen und Anzeigen. 180 in nicht Allen zugänglichen Manuscripten und ftemdländischen Gebetsammlungcn zerstreut sind, ohne daß jedesmal angegeben Ware, w o sich die Dichtungen befinden. Der Abschnitt schließt mit einem Hinweise aus die charakteristischen Unterschiede zwischen den spanischen und nichtspanischen Selichadichtern. In Spanien geben die Dichter das Beste ihres Geistes in ihren Poesien; in den übrigen Ländern hingegen war es nicht Begabung, sondern das Elend, welches die Dichtungen hervorries. Die Provence und Süditalien standen gewisserinaßen in der Mitte beider Extreme. Die fünf spanischen Dichter Gebirol, Giot, Mose ben Esra, Jehuda halevi und Jbn Esra haben neben zahlreichen -weltlichen Dichtungen an tausend Piutim und Selichoth verfaßt, während in den andern Ländern bis zum 13. Jahrhundert gegen 250 Autoren zusammen bloß etwa 1200 Selichoth schrieben. Die Anzahl der übrigen poetanischen Erzeugnisse von nichtspanischen Verfassern gibt der Vers, nicht an. Es folgt nun unter der Rubrik ״zwei neuere Jahrhunderte" sS, 334—363) die Aufzählung der Plackereien und Drangsale, welche die Juden in den'beiden Jahrhunderten ״zwischen Luther׳ und Lesfing" aüszustehen hatten; das׳ Ziel dieser Quälereien war der Juden sittliche und sociale Erniedrigung. Obgleich auch in dieser Periode die Zahl der jüdischen Dichter beträchtlich zu nennen ist, so war doch ,in Folge der Druckerpresse die Liturgie meist schon festgestellt, um, außer etwa für gewisse Morgenandachten, für den Vorabend der Neumondstage, zur Abwendung einzelner Verfolgungen und Landplagen, sowie wegen sonstiger außergewöhnlicher Anlässe, noch irgend Bereicherung zu erhalten. Die meisten Dichter schrieben jetzt ihre Hiutim und Gesänge, ohne solche geradezu für den Gottesdienst zu bestimmen; auch gab es seit 1606 schon jüdisch-deutsche Uebersetzungen. der Gebete, sowie bereits vor 300 Jahren mehrere in hebräischer und deutscher Sprache zugleich abgefaßte Stücke. Der Vers, meint am Schlüsse, der langjährige Druck und die Wachsamfeit der Angeber habe die Energie der Selicha geschwächt! Ob. die Zeit schon gekommen , wo, wie der Vers, hinzufügt, ״der Selicha- Phönix sterben sollte, um verjüngt als Welten- Freiheitsplan wieder zu erstehen," möchten wir , nach den jüngst -erlebten Ereignissen zu Bologna und Fokschani, bezweifeln; jedenfalls aber sind es nicht die wild überflulhenden Freiheitsrufe der Menge, wodurch jene düsteren;Klagetöne der Selicha verstummen würden, sondern die Maßnahmen weiser und aufgeklärter Regierungen, welche die Gleichheit aller Religionen vor dem Gesetz zur Wahrheit erheben!