Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 8 (1859)
- Issue
- Heft 5
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1859-01-01
- Page
- Seite 179 (sequence 4)
- Language
- German
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Recensionen und Anzeigen. 178 theils in midraschischen Vorträgen, dem.Volke verkündet. Hierdurch ward die'Menge wirklich erbauet, getröstet und gehoben; die in die Vorträge eingestreueten phantasiereichen Sagen gewannen Liebe und Leben im Volke. Das war wahre Volkspoesie, ohne gekünstelte Reime! Während daher der Inhalt der Midraschim und Targumim, später durch allerlei Compilationen verbreitet und amplificirt, stets volkstümlich blieb, kann man dies von den Piutim nicht behaupten. Diese wurden selbst in den vorigen Jahrhunderten, wb man noch nicht an Reformen dachte, hauptsächlich nur wegen der Melodien (des sogenannten Chasanoth), zur Zeitausfüllung an Festtagen, aus Gewohnheit und weil sie einmal durch den Druck der Machsorim in Jedermanns Hände gekommen waren, geschätzt und beibehalten. Doch kehren wir zu dem Referate über das vorliegende Werk zurück. Sehr ansprechend und rührend ist S. 136. u. f. die Skizzirung der unter dem Namen ״Akeda" bekannten Gebetstücke, welche die Opferung -Isaaks behandeln und worauf wir bereits an einem anderen Orte verwiesen haben. Vers, kömmt dann auf die Sage von den 10 Märtyrern und selbige besingenden Piutstücke. wobei vielleicht auch das, was Graetz, Jellin ek und Unterz eichneter (vgl. diese Monatsschrift 1853. S. 152 u. 1854 S. 114) darüber gesagt/zu beachten gewesen wäre. S. 152—333 ist die eigentliche Quintessenz des Buches. Der Verf. zeigt hier seine eigne dichterische Begabung in hohem Grade; er gibt eine Blumenlese der vorzüglichen liturgischen Dichtungen von 121 genannten und 38 ungenannten Autoren in deutscher liebersetzung, die sich im Versbau den Originalen möglichst anschließen, dabei den Inhalt treu reproduciren, an poetischer Wärme und Lebendigkeit aber ihre Urbilder zuweilen übertreffen. — Hatte man etwa eine erschöpfende literarhistorische Darstellung aller Erzeugnisse der Poetanim erwartet, so ist dem allerdings nicht völlig entsprochen. Das Hauptverdienst dieser Abtheilung ist ästhetischer Natur; den Laien sollte ein Einblick'in den Charakter der jüdisch-liturgischen Poesie gewährt werden. Dieser Zweck wird am sichersten durch Vorführung von Beispielen der verschiedenen Dichtungsgattungen erreicht, woran sich zuweilen kurze biographische und literarische Notizen über die Autoren knüpfen. Es ist nur zu bedauern, daß, während die in' deutscher Uebersetzung mitgetheilten 226 Gedichte nach ihren zufälligen Anfangsbuchstaben in deutscher Sprache in einem Register verzeichnet sind, man oft vergeblich nach den Originalen sucht, die meist 14 *