Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 8 (1859)
- Issue
- Heft 5
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1859-01-01
- Page
- Seite 178 (sequence 3)
- Language
- German
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78־1 [Jftccenftoiteti und Anzeigen. hervorgingen. — S. 9—■58 enthält eine allerdings etwas drastische Schilderung der einzelnen Verfolgungen ,, denen die Juden im Mit» telalter ausgesetzt waren. Der Vers. rechtfertigt ״den Trauergang, von Constantin bis Carl V.", den er seine Leser habe führen müssen, ,damit, daß hierdurch erst die Motive des Zorns und der'Erbittxrung, welche die , synagogalen Gebete durchklingen, zum Verständniß gelangen. — S. 59—151 wird auf die Entwickelung, den Bau und -die Bestandtheile des Piut und der Selicha eingegangen; mehrere aus« gewühlte Stücke von Kalir, Meschulam ben Kalonimos, I. Gioth u. A. werden in gewandter Uebersetzung mitgetheilt, um den Gedankenreichthum der Piutim darzustellen. ״Die Donnerschläge der anhaltenden Reime", sagt der Verf., ״kann keine europäische Sprache wiedergeben und den Blitz der Kürze haben nur die Helfenden Hülfs« und Fürwörter ausgelöscht." Der von Jbn Esra bis auf Elias Levita gegen die Poetanim ausgesprochenen Tadel, daß sie sich zu sehr der Dunkelheit und Jncorrectheit hingegeben und dadurch häufig ganz unverständlich seien, sucht der Ve«f. aus geistvolle Weife zu Widerlegen (S. 11-7 u. f.). Allein es scheint doch, als erginge es ihm -hierbei wie manchem -geistreichen Vertheidiger bei öffentlichen Ver- Handlungen; -man bewundert das Talent des Vertheidigers, hält auch seine Argumente für stichhaltig;, ist aber doch von der Unschuld des Betreffenden nicht recht überzeugt. -— Die ganze poetanische Methode bleibt-ein Denkmal des Verfalls und es ist zu beklagen, daß die -Weltgeschichte Culturepochen bot,- wo der nie rastende Menschengeist _ zu solchen sprachverzerrenden Dichtungen seine Zuflucht nehmen mußte. Wir verkennen nicht die einzelnen Schönheiten, sa Erhabenheiten in den Piutim und Selichöth, die von Dante und Shakespear Nicht würdiger dargestellt werden könnten; das vorherrschend Abstruse und Ueberkünstelte bewirkte aber, daß die schönsten Partien selbst den Zeitgenossen nicht verständlich waren, und man schon nicht lange nach der Abfassung daran gehen mußte, Commentare zu den Piutim zu schreiben, die den Sinn der Letzteren nicht immer richtig wiedergeben. Anstatt zu belehren und zu erbauen hatten also die meisten Piutim nur den Erfolg, den Gottesdienst, besonders an hohen Festtagen und ausgezeichneten Sabbaten, in eine Maschinenmäßige Ableierung der Piutstücke nach den herkömmlichen Melodien zu verwandeln. — Wie anders war dies früher , vor Entstehung und Vervielfältigung der Piutim; da wurden die an das Bibelwort geknüpften oder aus den betreffenden Festtag Bezug habenden Lehren und Aussprüche derHagada, theils in damals verständlichen Paraphrasen»