Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1859-01-01 · Heft 5 · p. Seite 177

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
8 (1859)
Issue
Heft 5
Article
[Rezension]
Date
1859-01-01
Page
Seite 177 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2829132-2829234-2829240-2856398--04801-2856442
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Recenstonen und Anzeigen. 177 längst die Fragen gestellt: 1) Wie es wohl gekommen, daß der ursprünglich so einfache jüdische Gottesdienst sich nach und. nach zu so umfangreichen Bau gestaltet habe? 2) Wie die anomale Erscheinung zu erklären, daß, während die jüdische Lehre für alle Bekenner des israelitischen Glaubens, seien sie noch so weithin zerstreuet, wesentlich eine und dieselbe geblieben ist, liturgischen Ge-- brauche so mannichfach und verschieden sind, daß hierin nicht nur ganze Ländergruppen von einander sich unterscheiden, sondern überhaupt wohl kaum zwei Gemeinden sich finden, in denen der Ritus in allen seinen Einzelheiten ganz identisch wäre? Lag es auf der Hand, daß durch wissenschaftliche Erörterung dieser Fragen für manche noch ziemlich dunkle Partien der inneren Geschichte des Judenthums Licht gewonnen werden würde, so ward man sich auch immer klarer, daß hierdurch auch manche Lücken und einseitige Auffassungen in der äußeren Geschichte der Juden schwinden müßten. Die einzelnen Glieder der Kette von Leiden und Drangsaien, woran alle Juden in den» finsteren Zeiten des Mittelalters geschmiedet waren, hatte man bisher, meist nur aus den gewöhnlichen Geschichtsquellen herauszufinden sich bemühet; mußten aber, jene Schmachwerkzeuge, womit die angebliche Religion der Liebe ihre grau gewordene Mutter Jahrhunderte hindurch peinigte, nicht deutlicher zu erkennen sein, wenn man die Gebete und Herzensergießungen eines näheren Blickes würdigte, welche die Dulder zum Himmel sendeten? — Solche im Momente der tiefsten Seelenangst ausge« preßte Worte sind, wenn auch zuweilen - die Leiden mit starken Farben ausgetragen werden, doch die unbestechlichsten Zeugen der .vorangegangenen Thatsachen. Vor Gott sprachen unsre frommen Altvordern die Wahrheit unverhohlen aus; die volle Wahrheit, ohne Rücksicht auf äußere, noch so mächtige Dränger! — Man wußte, daß Zunz mit diesem Gegenstände sich beschäftige und namentlich die Abfassung einer ״Geschichte der Selichot (Bußgebete)" im Sinne habe. Da erschien im I. 1855 dessen ״synagogale Poesie des Mittelalters". Geben wir nur einen kurzen Abriß vom Inhalte dieses Werkes. —- S. 1—8 wird in treffenden Zügen angedeutet, wie aus der früheren Prophetie, da Israel noch geistig und politisch frei war, späterhin als trübere Zeiten eintraten, die elegische oder Psalmendichtung sich entwickelt hatte. Was in alter Zeit Prophetie und Psalmen waren, gestaltete sich in späterer Periode, nach dem Sturze des zweiten Tempels, in Lehrvorträge und Gebete um, woraus wieder , der Piut (amplificirter Vortrag) und die Selicha (verjüngter Psalm) Frankel, Monatsschrift TOI. 5. 14

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.