Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 8 (1859)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Über das die Schätzung religionsphilosophischer Systeme beeinträchtigende Vorurtheil, daß die wahre Philosophie voraussetzungslos verfahre
- Date
- 1859-01-01
- Page
- Seite 133 (sequence 9)
- Language
- German
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Ueber das die Schätzung religionsphilosophischer Systeme rc. 133 läugnen, daß aus dem Polytheismus der Volksreligion Plato's philosophische Ansicht stamme, daß nicht nur die Welt überhaupt beseelt, sondern ebenso auch die einzelnen Gestirne selige Götter seiend, die, wie Überhaupt alle geschaffenen Götter, bei der Bildüng des Menschen Mitwirken ^), dem Menschen nicht blos die Zukunft wahrsagen, sondern^ auch auf seine. Schicksale Einfluß Habens. Ebenso soll in seinem Staate, von dem Hegels unter allgemeiner Zustimmung sagt, daß wir daran das Substanzielle der griechischen, aber auch nur der griechischen, also einer relativ beschränkten Sittlichkeit haben, der vaterländische Cultus eingeführt, und in Angelegenheiten, die der'Mensch nicht zu bestimmen vermag, der delphische Apollo befragt werden ^). Wir wollen die Beispiele nicht häufen und fügen nur noch in Betreff des Aristoteles hinzu, daß auch er bei aller seiner Nüchternheit am wenigsten der Mann war, Volksmeinungen und Mythen geradezu zu verwerfen. Er, der überhaupt der Ansicht war, daß nicht leicht das allgemein Angenommene ganz falsch sein könne, dessen Achtung vor der Volksweisheit am deutlichsten aus dem Vorwurfe, den ihm Kephisodorus bei Athenäus ss macht, erhellt, daß er nämlich eigends eine Sprüchwörtersammlung angelegt habe, der endlich alle seine wichtigen Erörterungen mit einer sorgfältigen Untersuchung der vor ihm dagewesenen Meinungen beginnt, er nimmt auch zu den Mythen und zu dem Volksglauben eine durchaus positive Stellung ein. Begnügen wir uns mit einer, wie wir glauben, schlagenden Aeußerungb): ״Daß die Gestirne Götter seien und das Göttliche die ganze Natur umfasse, ist auch von den Alten unter der Hülle des Mythos überliefert, und nur um die Menge dafür zu gewinnen und aus Gründen der Gesetzlichkeit und'Zuträglichkeit mit fabelhaften Zuthaten über die Menschen- oder thierähnliche Gestalt der Götter und ähnliche vermischt worden. Dergleichen abstreisend ergreift man als Kern, daß sie die ersten Wesenheiten für Götter hielten, 2) Timaeus S. 40. 3) Timaeus 41 A. 4) Timaeus 39 C. 5) Hegel, Vorlesungen über die Geschichte der Philosophie II, 278. 6) Republ. VI, 427 ft V, 461. VII, 540. 7) Athenaeus II, 60 d. 8) Aristotelis metaphys. XIII. Vergl. Brandts, Aristoteles und seine akadem. Zeitgenossen. I, S. 539.