Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1859-01-01 · Heft 4 · p. Seite 134

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
8 (1859)
Issue
Heft 4
Article
Über das die Schätzung religionsphilosophischer Systeme beeinträchtigende Vorurtheil, daß die wahre Philosophie voraussetzungslos verfahre
Date
1859-01-01
Page
Seite 134 (sequence 10)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2829132-2829234-2829239-2856342--04745-2856365
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

134 lieber das die Schätzung religionsphilosophischer Systeme rc. so daß sich auch hier bewährt^ mehr wie einmal sei jede Kunst und Theorie entdeckt und nach ihrem Untergange hätten als Ueberbleibsel derselben solche Annahmen bis auf die gegenwärtige Zeit sich erhalten". . Erst die Bibel hat die Vielgötterei aus der Philosophie verdrängt, erst sie hat statt einer relativen eine absolute Ethik geschaffen, und wenn man die Philosophie nach ihrer Haupteigenthümlichkeit eintheilen will, so wird man sie passend in eine heidnische und eine biblische zu theilen haben. Dabei׳ kommt es nicht so viel, wie man meint, darauf an, ob der Philosoph mit Bewußtsein die biblischen Wahrheiten zu Grunde legt, oder ob er glaubt rein aus sich selbst zu philosophiren. Er selbst ist eben das philosophirende Subject, dem durch Bekanntschast mit den biblischen Wahrheiten die Richtung und das Ziel des Denkens vorgeschrieben ist. Doch ist es Zeit, daß wir dem Vorurtheile, die Philosophie verfahre voraussetzungslos, erkenne nichts Gegebenes an, auch sein,Recht widerfahren lassen. Die Philosophie verfährt in der That voraussetzungslos in einem gewissen Sinne, d. h. sie erkennt nichts Gegebenes als solch es an; nur beachte man, daß auf den Worten ״als solches" der Nachdruck liegt. Das Gegebene tritt zunächst dem Geiste als ein Fremdes gegenüber, und der unphilosophische Kops begnügt sich damit, dieses Gegebene einfach sich gegenüber stehen zu lassen. Dann aber ist der Glaube an dieses Gegebene nicht seine That, nicht ein Act seiner Freiheit. Denken wir uns beispielsweise zwei Staatsbürger, die Beide mit der gleichen gewissenhaften Pünktlichkeit dem Staatsgesetze sich unterwerfen, von denen aber der Eine diese seine Unterwerfung aus Vernunftprincipien zu begründen im Stands ist, der Andere aber nur seine Furcht oder ähnliche außerhalb der Sache liegende Motive anführen kann, so ist der Eine in seinem Gehorsam vollkommen frei, der Andere unfrei. Genau so ist das Verhältniß dessen, der die gegebene Religion durch Denken in sein Eigenthum verwandelt, zu dem, der sie als Fremdes sich gegenüberstehen läßt, wenn er ihr auch sonst den äußerlichen Gehorsam nicht versagt. Sehr bemerkenswerth ist daher die Aeußerung Maimuni's^), daß Israel nicht um der Wunder willen an Moses glaubte^ und auch Hegels 9) Jesode hathora 8 .נושר. יבינו לא 'יאמינו בו ישיא?* מפני דיאותות שעשד ׳ י; .שד״מאמין על פי דיאותזת יש בלבו דופי וכו׳ ' 1) Hegel, Vorlesungen über die Philosophie der Religion Thei.l II-, S. 161.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.