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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1859-01-01 · Heft 4 · p. Seite 131

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
8 (1859)
Issue
Heft 4
Article
Über das die Schätzung religionsphilosophischer Systeme beeinträchtigende Vorurtheil, daß die wahre Philosophie voraussetzungslos verfahre
Date
1859-01-01
Page
Seite 131 (sequence 7)
Language
German
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Ueber das die Schätzung religionsphilosophischer Systeme re. 131: Anschauungen, wie wir mit Recht ergänzen können — schärfer in's Bewußtsein getretene noch nicht ihre philosophische Erledigung, wenn auch in populärer Weise manches bei ihm darüber gesagt ist. Doch lassen wir die Autorität Hegels und kehren uns vielmehr den geschichtlichen Thatsacheisizu. , Man ist gewohnt, die alte Philosophie sich in einem vollständigen Gegensätze zur damaligen Volksreligion zu denken, während sie in Wahrheit doch nichts Anderes ist, als der substanzielle Kern eben dieser Bolksreligion. Die scharfe Polemik Plato's gegen Homers, seine Behauptung, Homer müsse aus einem Staate, wie ihn die philosophische Idee des Staates fordere, verbannt werden, wird mit dem bekannten Satze des Herodot: ״Homer und Hefiod haben den Hellenen ihre Götter gemacht" zusammengehalten, um zu erhärten, wie tief die Kluft zwischen dem hellenischen Philosophen und dem hellenischen Götterglauben gewesen sei. Dabei macht man aber die nicht blos unbewiesene, sondern auch nachweislich falsche Voraussetzung, daß dse nichtphilosophischen Zeitgenossen Plato's genau aus der Stufe religiöser Vorstellungen standen, auf die sie durch Homer gestellt worden. Abgesehen davon, daß die Bücher des Homer ja nie kanonisch gewesen sind für die Griechen und als Dichtungen, die nicht einmal religiöse Dichtungen waren, ihrer Natur-nach nicht kanonisch werden konnten, abgesehen ferner davon, daß die Polemik gegen Homer keineswegs von Plato eröffnet worden, sondern lange vor Plato Xenophanes, der Eleat, seine Pfeile gegen Homer geschleudert, wie uns dies Sextus Empiricus ”) in berühr«- ten Versen ausbewahrt hat: so läßt sich leicht auch.aus einer großen Anzahl von Aeußerungen in den Platonischen Dialogen sowohl als auch in dem Zkenophontischen Bericht über Sokrates Nachweisen , daß Plato so gut wie sein Lehrer, Sokrates, lange nicht so ungläubig gewesen wie die mittelmäßigen Köpfe ihrer Zeit, daß sie vielmehr am Substanziellen der Volksreligion festhielten und, wo sie gegen Homer und andere Dichter polemisirten, gerade diejenigen treffen wollten, die aus-dem Betragen der homerischen Götter eine Rechtfertigung für ihr eigenes schlechtes Verhalten herleiteten. Man lese nur das gewiß treu von ZkenophonZ 8) Kepubl. II, 377 ff., III, 388. 9) Sextus Empiricus adv. Mathem. IX, §. 193. 1) Memor. l, 4.

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