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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1859-01-01 · Heft 4 · p. Seite 130

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
8 (1859)
Issue
Heft 4
Article
Über das die Schätzung religionsphilosophischer Systeme beeinträchtigende Vorurtheil, daß die wahre Philosophie voraussetzungslos verfahre
Date
1859-01-01
Page
Seite 130 (sequence 6)
Language
German
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130 Ueber das die Schätzung religionsphilosvphischer Systeme u. Religion durchaus denselben Gegenstand hat wie die Philosophie im eminenten Sinne, nämlich die Bestimmung des Verhältnisses zwischen Unendlichemtmd Endlichem, so wird man die Behauptüng nicht paradox finden, daß alle Philosophen 60 1x80 Religiönsphilosophen gewesen sein müssen. Doch hier, meint Man eben, scheiden sich die Wege. , ׳ Cs soll nämlich ein wesentlich Anderes sein, ob man aus Grund einer gegebenen Religion philosophirt und sich also zu ihr von Vorneherein in ein bestimmtes Verhältniß setzt, oder ob man zunächst von allem Gegebenen abstrahirt'und rein aus sich selbst die Wahrheit zu erreichen sucht. Rein aus sich selb stl Wenn man nur/ein geschichtliches Beispiel vorzubringen vermöchte^ wo Einer rein aus sich selbst philosophirt hat'. Man kann abstrahiren auf eine Weile — und das hat wohl auch noch kein eigentlicher Religionsphilosoph zu thun unterlassen — von allem, was Man bis dahin gelernt und gemeint hat, aber auf immer von sich abthun, was man einmal in sich ansgenommen/ was einem , so zu sagen, angeflogen ist, dürste wohl nur. demjenigen als möglich erscheinen/der sich etwa von der Voraussetzungslosigkeit, mit der Eartesins verfuhr, täuschen läßt. Bekanntlich aber hatte Cartesius kaum sein eigenes Dasein durch sein eögito ergo süm demonstrirt, als ihm aus einmal auch das UNmittelbar gewiß wurde, was geschichtliches Resultat war und was z. B: Aristoteles überhaupt Noch nicht gewußt hatte. Die alte Philosophie hat viel unbefangener ihre Sätze von dem Mythus bestätigen lassen, und ein Eingehen aus das Verhältniß der alten Philosophie zur׳ Volksreligion kann uns belehren, daß Vas philosophische Bewußtsein der Alten so gut ein heidnisches gewesen׳ wie das religiöse, und daß mithin nicht die PH ilosophie es war, welcher es gelungen, die Schranke des Heidenthums zu durchbrechen. Und hieher scheint uns die fruchtbare Bemerkung Hegel's^) zu gehören, daß man nicht glauben müM die Fragen unseres Bewußtseins, die Intereffen der jetzigen Welt bei den Alten beantwortet zu finden, Jede Philosophie sei eben nur die Darstellung einer bestimmten Entwickelungsstufe. In Plato z. B. fänden die Fragen über die Natur der Freiheit, den Ursprung des Uebels, die Vorsehung und ähnliche,, erst später — durch die Verbreitung der bibl. 7) Hegel, Vorlesungen über die Geschichte der Philosophie S. 59 ff.-

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