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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1859-01-01 · Heft 4 · p. Seite 129

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
8 (1859)
Issue
Heft 4
Article
Über das die Schätzung religionsphilosophischer Systeme beeinträchtigende Vorurtheil, daß die wahre Philosophie voraussetzungslos verfahre
Date
1859-01-01
Page
Seite 129 (sequence 5)
Language
German
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Ueber das die Schätzung religionsphilosophischer Systeme rc. 129 Philosophie vorausgehenden Unphilosophie,-der Sophistik, Rechnnng tragen, so ist sie schon-öfters ganz richtig als der Ausdruck des beginnenden Verfalls des griechischen Staats-und Religionslebens gefaßt worden^). Mit Aristoteles endlich nimmt die bis dahin specifisch-hellenische Philosophie einigermaßen den Charakter des vom Nationalen losgelösten Denkens an, aber nicht ohne daß das Hellenenthum selbst sich zu einer Culturform auch der nichtgriechischen Welt zu gestalten die Intention (jat. Dieselbe Kongruenz des ^allgemeinen Volksgeistes mit dem scheinbar ganz aus sich heraus speculirenden Individuum läßt sich leicht auch in der neuern Philosophie Nachweisen. Niemand wird z. B. in dem.Philosophen der Erfahrung und Erfindung, Baco von Verulam, und in seinen Fortsetzern den einseitigen Utilismus des Engländers vermissen, und von Leibnitz, dem Antipoden des englischen Empirismus, ist in neuerer Zeit zutreffend gesagt worden, daß im Grunde nur ״die Summe seiner gemeinnützigen^ seiner nationalen wie kosmopolitischen Projecte sich in eine Alles erklärende Metaphysik, in eine idealistische Formel umsetzte, welche seiner eigenen Meinung nach die Formel der Welt, in Wahrheit die Formel seines Wesens und des Wesens seiner Zeit war ^)". Eben so hat man in Kant den philosophischen Ausdruck der- Revolutions-, wie in Hegel (Alles , was ist, ist gut) den der Restaurationsperiode gesunden 4 5 6). - Ersieht man aus dem bis jetzt Gesagten so viel, daß die Philosophie ein geschichtliches Leben lebt nicht blos in dem oberflächlichen Sinne, daß sie aus frühere Philosophien mit Noth- Wendigkeit znrückweist, sondern auch in dem andern tiefem, daß sie entsteht, Nahrung und Kraft zieht aus dem Gesamm.tgeiste einer Nation oder einer Zeit so gut wie die andern Productionen genialer Individuen, als z. B. die poetischen und die übrigen Kunstproductionen, bei denen das noch Niemand in Abrede gestellt hat: so wird man begreifen, wie die Religion, als eine der mächtigsten Potenzen des Volksdaseins, am wenigsten ohne Einfluß auf die Gestaltung eines philosophischen Systems bleiben kann. Nimmt man noch dazu, daß die theoretische Seite der 4) Schwegler, Gesch. der griechischen Philosophie, herausgegeben von Dr. Köstlin ©.2. 5) Biedermann, Gesch. des 18. Jahrh. 6) Schwegler an der angesührten Stelle.

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