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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1859-01-01 · Heft 4 · p. Seite 127

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
8 (1859)
Issue
Heft 4
Article
Über das die Schätzung religionsphilosophischer Systeme beeinträchtigende Vorurtheil, daß die wahre Philosophie voraussetzungslos verfahre
Date
1859-01-01
Page
Seite 127 (sequence 3)
Language
German
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Ueber das die Schätzung religionsphilosophischer Systeme rc. 127 Denn das Aelteste ist das Geehrteste, der Eid aber ist das Geehrteste." Also vor der Philosophie lag im Mythos der Keim zur Philosophie präformirt. Doch immer noch hat der Satz: die Philosophie verfahre voraussetzungslos,־. seine weite Gültigkeit, so lange man nichts weiter behaupten kann, als daß ste einerseits das Freigewordensein des Subjects für die Philosophie, andererseits, daß ste stch selbst auf ihren je früheren Stufen voraussetze. Denn auch den Mythos kann man mit Recht als eine unentwickelte philosophische Stufe ansehen. Wir müssen daher jetzt von der Abhängigkeit der Philosophen zur Abhängigkeit der Philosophie selbst übergehen. Die Philosophie verfährt voraussetzungslos. Und doch deykt man stch etwas bei der Bezeichnung beispielsweise einer griechischen, einer englischen, einer deutschen Philosophie. Und zwar denkt man sich keineswegs blos das dabei, daß zufällig griechische, englische oder deutsche Männer diese oder jene Wahrheiten ausgesprochen haben, sondern man findet einen Bezug zwischen der Nationalität dieser Männer und ihrer Philosophie. Dieser Bezug ist es, der uns am meisten darüber, wie viel die Philosophie voraussetze, belehrt, und darum scheint es uns gerathen, bei diesem Bezüge einen-Augenblick zu verweilen. Man kann ihn 'leicht mehr äußerlich fasten, so faßt man ihn falsch. Fasten wir die Sache vielmehr so, daß das Wort Bezug ihr selbst äußerlich und inadäquat wird-. Vor allem ist es natürlich die Sprache eines Volkes, die dem Philosophen keineswegs blos die zufällige Form für seine Gedanken hergibt, sondern die ihm, da er immer bereits eine Culturepoche hinter sich hat, einerseits eine fertige Gedankenwelt als Resultat der ganzen Volksarbeit zuführt,- andererseits in ihren Ausdrücken und Wendungen so zu sagen schlummernde Gedanken, die nur des ste, erweckenden Denkens harren, bietet. Daß nun in der That die Philosophen dem Sprachgenius seine schlum- - mernden Gedanken abzulauschen gesucht haben, beweist die Neigung aller echten Philosophen zu etymologistren. Und wenn auch von Plato bis Hegel die Philosophen meist schlechte Etymologen waren, so spricht sich doch in dem Bestreben, die Resultate des eigenen Nachdenkens in der Sprache angedeutet zu finden, das Bewußtsein aus, daß sie selbst die Gediegenheit ihrer Resultate in der Uebereinstimmung mit der universellen Volksvernunft suchen. 10*

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