Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 8 (1859)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Die mystische Literatur in der gaonäischen Epoche
- Date
- 1859-01-01
- Page
- Seite 107 (sequence 5)
- Language
- German
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Mssenschaftliche Aufsätze. 1Ö7 der Jubiläen.^ In diesen Schriften bringt Henöch eine Zeit lang bei den Engeln zu und wird nach seiner: Hinwegnahme von den Men« schenkindernin's Paradies versetzt/ wo er das Gericht/ die ewigen׳ Sttafen der Bösen, die' guten ThäteN der' Frommen und überhaupt die Schicksale der Menschen ausschreibt. Er'wird daher in diesen Büchern der ״Schreiber", der ״Schreiber der Gerechtigkeit" (-----ם8רא רכא) genannt^ Im jüdischen Schriftthum versetzt nur das junge Derech E r e z Sütta Henoch lebendig in's Paradies, aber mit noch Andern (CS. i); Es ist aber eine ausgemachte Thatsache, daß das Buch Henöch vielen Einfluß auf jüdische Kreise geübt hat. Das Midrasch Abchir hat ein ganzes Stück aus dem Henoch buche benutzt (vgl. Jalkut zu Genesis No 43 mit Henoch c. 2, 8 und dem Fragment bei Syncellüs): Die Pirke di R. Elieser Haben die quasiastronomische Beschreibung des Sonnenlaufs durch Sonnenpforten und Sonnenfenster aus dem Henochbuche geschöpft (o. 6 vergl. mit B. Henoch c. 72,73). Dieser Einfluß kann sich aber erst in der nachtalmudischen Zeit geltend gemacht haben, da Henoch, wie sich gezeigt hat, von den Talmudlehrern sehr niedrig gestellt wurde. Das Medium, welches die Henochsage in jüdische Kreise eingesührt hat, scheint der Islam gewesen zu sein. -Im Koran hat Henoch unter dem Namen Jdris eine hohe Stellung. Er gilt als Gerechter, als Prophet, den Gott auf einen hohen Ort erhoben hat (Sura 19, 54, 55) אדרים אבד! כאן צדיקא •נביא ררפעהאד! מהאבא עלי׳א . — Es ist ganz die christliche Anschauung von Henoch, und Mohammed hat sie nicht aus dem JudenthuMe ausgenommen, wie Geiger behauptet, sondern aus dem Ehristenthume, aus der Sage im Henochbuche, welches in dem mit Atäbien benachbarten Aethiopien verbreitet war und sich daselbst allein erhalten hat. Die Commentatoren zu dieser Koranstelle reflectiren noch stärker das Henochbuch (vergl. Naraovlo Kefutationes in Koranum 435). Der Name Jdris für Henoch bedeutet wohl so viel wie ״Forscher und Schreiber," wie Geiger richtig angenommen hgt (Preisschrift S. 105). In Folge der Bedeutung, weiche Henoch falschen Tag;um Tag des Zeugnisses und einen unheiligen Tag zum Festtag machen". — Darum soll man dem Jahre regelmäßig 364 Tage geben (Dillmanns Utbersetz. in Ewalds Zeitschr. II 246). Deutlicher kann sich der christl. Vers, nicht offenbaren. Nur ein Christ hatte ein Interesse daran, das jüdische Kalenderwesen erschüttern zu wollen und die Mißbilligung desselben apokalyptisch einem Patriarchen in den Mund zu legen. Die Essäer dagegen waren sromme Juden, welche am allerwenigsten an dem Kalender rütteln wollten.