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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1859-01-01 · Heft 3 · p. Seite 105

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
8 (1859)
Issue
Heft 3
Article
Die mystische Literatur in der gaonäischen Epoche
Date
1859-01-01
Page
Seite 105 (sequence 3)
Language
German
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Wissenschaftliche Aufsätze) 105 Zunächst wird Metatoron im Talmud durchaus^Nicht mit Henoch iventisicirt. Das haben schon die,׳ Tosaföt 'mit ihrem feinem kritischen? Gerüche herausgebracht. IM Talmud gilt Metatoron als:ein Engel, der schon bei der WcltschöpfUng vorhanden war und nicht erst in der vornoachidifchen Zeit aus einem Menschen Meta» morphosirt worden (vergl. Tosaf. Jebamot L c. und Chulin 1. c. .(2 ומי טוםובר דמטהרון הוא מור העולם. לית ליה דחהוך ד!רא מטטרון* Noch mehr) Henoch wurde in der talmudischen Zeit so wenig glorificirt, daß er sogar in das Register der Bösewichte gesetzt wird: 'אמר ר׳ חמא בר הוטועיא חנוך אינו ■הפנס בתוך טימוםן טול צדיקים יי אלא בתוך טימוסך טול רשעים Eine mildere Ansicht stellt aus: Henoch war, ein Schwankender, bald fromm, bald schlecht, und darum habe ihn Gott in einem Momente frommer Stimmung hinweggerafft: ר׳ איבו אמר חנוך חנן* היה פעמים צדיק פענלים רשע אמר הקב״ה בעודו בצדקו אסלקנו (Genesis Rabba c. 25). Stand Henoch so niedrig in der Anschauung der talmudischen Agadisten, so kann unmöglich von ihnen seine Metamorphose in einen Engel herrühren. Wenn irgend etwas aus diesem Gebiete gewiß ist, so ist es der Punkt, daß die talmudische Zeit Henoch nicht mit Metatoron identificirt hat. Aber Metatoron selbst stand den Talmudistcn nicht so hoch, daß sie ihn gewissermaßen zum ösmsqog SL0H stempeln soNen. Sie lassen ihm im Gegentheil Geißelhiebe mit einer Feuerruthe appliciren (Chagiga 16, n). Erst in Folge der christlichen Dogmatik erhielt Henoch ein hohes Interesse: Die Interpretation des Verses ״er wandelte mit Gott und Gott nahm ihn zu sich" wurde von der Patristik scharf betont,' und Henoch galt als Protochristos und als Beweis für die Himmelfahrt. Die Erklärung des betreffenden Verses war daher in der talmudischen Zeit ein Gegenstand der Eontroverse zwischen Ariden und Christen. Während die Letzteren ihn im Sinne einer Himmelfahrt deuteten, behaüptetett jüdische Polemiker, es bedeute einfach ״sterben" .(vergl. Genes. Rabba 1. o. 2) ,Wenn R. Tam annimmt, daß die Agadas darin disserirten, ob Henoch mit Metatoron identisch ist oder nicht (n על n ושמא אנודזח ד,פ שחלוקות), fo 6c׳־ ruht das auf einer falschen Voraussetzung. Denn die Beweise von der Identität hat R, Tam nur aus Pijutstücken geholt, wo , es heißt: שר המשרת נער נקרא הוא מטטרון ו׳,נכבד והנורא , und in einem andern: תקין8 מטטרון שנהפך לאש מבשר:. Aber diese liturgischen Verse reflectiren keineswegs die talmu d isch e Ansicht, sondern eben das He nochstück, dessen Zeitalter erst zu fixiren ist.

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