Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 8 (1859)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Die mystische Literatur in der gaonäischen Epoche
- Date
- 1859-01-01
- Page
- Seite 68 (sequence 2)
- Language
- German
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68 Wissenschaftliche Aussätze. kritisch zu beleuchten und dessen Zusammenhang mit der geschichtlichen Bewegung nachzuweisen. Die ältere jüdische Mystik — so viel ist bekannt — hat zu ihrem Inhalte zweierlei Objecte: Gott in und mit seinem Himmelreiche, und die Messiaszeit. Sie zerfällt demnach in Theosophie ׳— wozu auch Angelologie und Uranologie gehören — und in — so zu sagen — Messtanologie. Die Kosmologie nimmt nur eine untergeordnete Stellung ein, das Buch Jezira gehört, strettg genommen, gar nicht zu dieser Literatur. Es hat keinen vorherrschend mystischen Charakter, und man hat es mit Unrecht dazu geschlagen, Das Schöpfungssystem, das darin entwickelt wird, hat einen philosophischen Anstrich. Wir haben es hier also bei der Untersuchung über die mystische Literatur nicht mit dem Sepher-Jezirah, aber auch nicht mit den messianologischen Schriften zu thun, sondern nur mit den theosophischen im weitern Sinne. Welche Schriftwerke gehören dazu, welcher Zeit gehören sie au, und woher haben sie ihren Ursprung? Diese Fragen sollen zunächst beantwortet werden. 1) Den Mittelpunkt der ältern mystischen Literatur bildet, wie schon angedeutet, das Alphabet des R. Akiba (אלפא ביתא דר' עקיבא, auch אותיות דר' עקיבא). Dieses Urtheil dürste zwar aus den ersten Blick paradox erscheinen, um so mehr, als das Schriftwerk in der uns vorliegenden Gestalt «inen durchweg agadilchen Charakter trägt, läßt sich aber nichts desto weniger bis zur Augenscheinlichkeit begründen. In der Krakauer Edition dieses Werkes (1597) und in den späteren findet sich (zu Ende des Buchstabens א) «in ganzes ächt mystisch gehaltenes Stück, eine Glvrisication des Henoch-Metat o r o n. Das Stück beginnt damit, daß Gott fiebenzig Namen habe, und im Verlaufe heißt es: der in einen Engel verwandelte Henoch habe eben so viele Namen. שבעים *,שמות יש לו לדקב״ד בפירוש ושאר שלא בפירוש, dann (שבעים׳-׳שמות נטלתי משמותי וקראתי(ו בדם לרבות לו (לנלטטרון) כבוד. Die Glorification des Henoch geht in diesem Stück so weit, daß er.sogar der kleine Gott genannt wird: קראתיו בשמי יד״וד!לקט!' שר דפנים ויודע רדם. Dieses Henochstück betrachten die Literarhistoriker als spätere Interpolation zu den Otijot ds R. Akiba, und Jcllinek ging so weit, es als besonderes Stück Unter dem Titel stltN כפר abzudrucken (Bet hamidrasch II, 114 f.). Ihr Beweis beruht aus dem Umstande, daß das Henochstück in den zwei ältesten Ausgaben, von Constantinopel und Ve- .nedig (1546),. fehlt. Aber das ist unrichtig.. In der Editio, priuceps Const. (1514—16, zusammengedruckt mit Simsons S. Ke-