Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 8 (1859)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Zur Geschichte der Juden in Mecklenburg
- Date
- 1859-01-01
- Page
- Seite 53 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2829132-2829234-2829237-2856227--04644-2856245- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
53 ־# Zur Geschichte der Juden in Mecklenburg: durchstochen und sechzig das Verbrechen mit Rath und That gefördert; Peter Däne und Eleazars Frau gestanden Alles, was _ geschehen. Es ward sogleich das Urtheil gesprochen nnd am 24. October 1492 vollzogen. Fünf und zwanzig Männer und zwei Frauen, die Mutter der Braut und des Bräutigams erlitten auf einem Berge vor dem Luckower Thore in Sternberg, welcher seitdem der Judenberg genannt wird, in Gegenwart des Landes- Herrn die Strafe der Ketzer, d. i.׳den Feue r t o d. Alle gingen ״reulos" zum" Tode. Der Herzog Magnus redete einem Juden Aaron, dem er mehr.Gefühl als den andern zutraute, mit den Worten an: ״Warum folgest Dü nicht unserem heiligen Glauben, um durch die Taufe mit uns gleicher himmlischer Seligkeit zu genießen?" Aaron antwortete: ״Edler Fürst! Ich glaube an den Gott,-der Alles kann und Alles geschaffen hat, an ihn, dessen Verehrung unser Vater Abraham und sein Sohn Isaak und unsere ־ .andere Vorfahren, welche nie von unserm Glauben abgefallen sind, geboten haben. Er, so glaube ich, ließ mich Mensch werden und Jude. Hätte er mich zum Christen haben wollen, so hätte er mich nicht Meinem heiligen Bekenntnisse zugewandt. Wenn es sein Wille gewesen wäre, hätte ich ein Fürst sein können, wie .Du!" Da schwieg der Fürst und knirschte mit den Zähnen. Alle gingen mit festem Muthe, ohne Widerstreben und Thränen zum Tode und hauchten mit heiligen Gebeten ihr LebeN aus. Und nicht die Angeklagten allein, sondern alle Juden in Mecklenbürg sollten die Schuld büßen: sie wurden sämmtlich mit Weib und Kind aus dem Lände verbannt. Der Braut schenkte der . Herzog das Leben und Eleazar war verschwunden. Auch der Priester Däne wurde am 13. März 1493 zu Rostock in Gegen- ״ wart des Landesherrn und vieler vornehmer Männer und Priester seines Amtes entsetzt, geschoren und in kurzen weltlichen Kleidern den Bütteln übergeben, welche ihn vom Markte auf einem Karren durch die Stadt führten, an den Straßenecken mit glühenden Zangen zwickten und ihn vor die Stadt zum Richtplatze führten, wo er den Feuertod erlitt. Mit den gedachten Verbammngsscenen verschwanden auf fast 200 Jahre alle Juden aus Mecklenburg, theils wurden sie in diesem Lande nicht mehr geduldet, theils war Mecklenburg von den Rabbinen in den Bann׳ gethan, d. i. den Juden bei Strafe des Bannes verboten, in diesem Lande sich wieder seßhaft zu machen. Erst in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts, unter