Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1859-01-01 · Heft 2 · p. Seite 52

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
8 (1859)
Issue
Heft 2
Article
Zur Geschichte der Juden in Mecklenburg
Date
1859-01-01
Page
Seite 52 (sequence 8)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2829132-2829234-2829237-2856227--04643-2856244
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

52 Zur Geschichte der Juden in Mecklenburg. Zurückgabe des dafür empfangenen Geldes und der betreffenden Zinsen erhalten, und da er die Summe nicht aufbringen konnte, so erbot er sich, das verlangte Sacrament dafür zu geben. Am 10. Juli 1492 weihte nun der Priester auf dem Altäre zwei Hostien, .wickelte sie in ein von der Altardecke' abgeschnittenes Stück Seide und brachte sie am folgenden Tage dem Eleazar, . dessen Frau sie in eine zur Aussteuer für ihre.Tochter bestimmte Tonne mit Federn versteckte. Am Hochzeitstage überreichte die Frau ihrem Manne die Hostie, der sie in eine Laube hinter dem, Hause auf einen eichenen Tisch legte und sie mit seinem Schwiegersohn Simon Michael (Aarons Sohn von Neu-Brandenburg), Schumann ans Friedland und Salomon aus Teterow mit Nadeln durchstach, aus welchen sogleich Blut floß. Am Abende durchstachen die übrigen Hochzeitsgäste die anderen Hostien. Nach den Anssagen des Weibes waren dabei noch sonstige Juden betheiligt , . nämlich Titan Kaszeriges aus Franken , David pon Parchim, Meister Lipse saus Liebs oder Leipzig?) und Israel aus Hamburg. Die Schuldigen überfiel jedoch eine schreckliche Angst, das muthige Weib versuchte die Hostie bald durch Feuer, bald durch Wasser zu vernichten; allein, alles vergebens. Sie wollte sie hierauf in den Mühlbach werfen, aber welch' Verhängniß! sie sank mit den Füßen in einen großen Stein. Eleazar wollte nun nichts weiter mit dem ״Gott der Christen" zu schaffen haben und befahl seinem Weibe, die Hostien dem Priester zurückzugeben; er selbst ergriff die Flucht, nahm aber trotz aller Eile die zwei penzUchen Hostien.mit. Das Weib brachte die Hostien in einen ״hölzernen Lenchtenkopf" dem Priester Däne; dieser, verhindert, sie wieder in die Kirche zu bringen, oder auf den Kirchhof zu vergraben, versteckte sie auf dem Fürstenhofe an der Stadtmauer. Allein ein Gespenst folterte ihn allnächtlich, so daß er voller Gewiffenspein sein Vergehen dem Domprobst anzeigte, der es seinerseits dem Dom-Capitel vortrug, und dieses berichtete an die Herzöge׳ Magnus und Balthasar, worauf nach eingeholtem׳ Gutachten mehrerer - Bischöfe die Herzöge in Begleitung mehrerer Prälaten, Geistlichen, ׳ Räthe und Lehnmänner nach.Sternberg sich verfügten, allwo Däne die Hostie׳ ausgraben mußte, welche in großer Procession in die Kirche gebracht wurde. Die Herzöge ließen nun sämmtliche׳ Juden des. Landes ׳gefänglich einzieheü, nach SternbLrg führen und am 22. October peinlich verhören. Aus diesem Verhöre ergab sich, daß fünf Juden die Hostien

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.