Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 8 (1859)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Zur Geschichte der Juden in Mecklenburg
- Date
- 1859-01-01
- Page
- Seite 49 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2829132-2829234-2829237-2856227--04640-2856241- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
49 Zur Geschichte der Juden in Mecklenburg.' Soviel über die Anstedelungszeit der Juden in Mecklenburg und nun über ihre Geschichte. Die mit den Juden in aller Welt gespielte Verfolgungs; Tragödie fand auch in Mecklenburg ihren Schauplatz. Aus die beim Landesherrn angebrachte Beschwerde der Wismarer Bürger ,wegen des zu .großen Andranges der, Juden in ihre Stadt, wurde ihnen zum Bescheide ertheilt, daß in der Folge nur zwei Juden geduldet werden sollten. Im Jahre 1360 wären die Juden in Wismar so verhaßt, daß auf die bloße Beherbergung eines Juden die Strafe von 10 Mark Silber gesetzt und der in der Stadt betroffene Jude iUs Gefängniß abgeführt wurde. Später ward ihnen, besonders am Markttage, ein kurzer Aufeuthalt zur Vollziehung von Handelsgeschäften gestattet. Auch die zur Erbauung des Pöbels im. Mittelalter so häufig benutzten Hostien-Blutungen zeigten sich in Mecklenburg und zwar im Jahre 1325 zu Krakow, 1330 zu׳ Güstrow ^und 1492 zu Sternberg. In Krakow beschuldigte man die Juden, sie hätten die Kirchen erbrochen, Hostien geraubt, und diese theils^ durchstochen, theils zerbrochen und in den Kvth geworfen, damit sie von den Christen selbst zertreten werden. Sämmtliche Juden daselbst wurden aus diese Beschuldigung nach einiger Kerkerhaft mit dem Rade׳ hingerichtet. Bald darauf im Jahre 1330 trug sich ein ähnlicher Vorfall zu G ü str o w zu. Auf einem Dorfe in der Nähe der Stadt wohnte eine bekehrte. Jüdin. Diese schlug angelllich aus religiösen Bedenken eine Einladung ihrer unbekehrten Schwägerin aus; diese warf ersterer vor, daß deren Beweggründe zur Bekehrung nicht die reinsten gewesen, denn-sie habe sich erst, nachdem sie ihrer Gottlosigkeit wegen aus der Synagoge ausgestoßen worden, zu den Christen gewendet, um zügelloser leben zu können. Hierüber aufgebracht, drohte jene etwas zu sagen, was sie sonst wohl verschwiegen hätte, nämlich daß eine Christin den Juden eine geweihte Hostie verkauft habe, welche diese in. ihrer Synagoge durchstochen, ׳worauf derselben an mehreren Orten Blut entquollen sei. Sie selbst habe bei dieser Mißhandlung der Hostie eine Stimme, wie die eines Kindes, vernommen und da hätte Gott ihr Herz gerührt, -daß sie sich zum christlichen Glauben gewendet und die Taufe, und durch dieselbe Vergebung der Sünden erlangte. Es muß aber nicht bei der bloßen Drohung, -ihre, ftüheren.Glaubensgenossen zu denunciren, geblieben lein, denn diese Geschichte ward bald ruchbar und sofort wurden