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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1858-01-01 · Heft 10 · p. Seite 373

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
7 (1858)
Issue
Heft 10
Article
Briefe aus Ungarn
Date
1858-01-01
Page
Seite 373 (sequence 2)
Language
German
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Briefe aus Ungarn. 373 Dieser eine und wichtige Ucbclstand wäre auf diese Weise;war beseitigt. — aber an wie vielen anderen liebeln laborirt das ungarische Schulwesen. Vor Allein ist die unvortheilhafte Stellung hervorzuheben, welche die eigentlich jüdischen Kenntnihe den Realien gegenüber entnehmen; denn da man stch an die falsche Ansicht gewohnt hat. daß die Elemente aller den höheren Lehranstalten zuzuwcisenden Wissenschaften schon in den Elementarschule» gelehrt werden müssen, so wird das Gedächtnis der lieben Jugend mit dem buntesten Allerlei derart überlastet, daß diese selbst zum eigentlichen Denken gar nicht kommt und daß andrerseits für Bibel und RcligionSunterricht keine ausreichende Zeit übrig bleibt. ES ist als gewiß anzunchmen, daß die meisten Knaben, die aus diesen Anstalten her- Vorgehen, so sie stch nicht im elterlichen Hause mit der Bibel näher vertraut machten, zur Zeit ihrer ״Har niiscwa“ noch nicht den ganzen Pentateuch gelesen, geschweige denn ins Bcrsländniß aufgenommen haben. Was nützt unter solchen llmstäitden der Religionsunterricht's So lange die Wahrheiten der Lehre sich nicht vor den Augen dcS Kindes aus dem Grundtcxte entwickeln, so lange an die Stelle der mit einem eigcnthümlichen Zauber umflossenen Urschrift ein trockener Schematismus tritt, wird das Gesetz tvie jeder andere beliebige Wissensstoff etwas Acußerliches bleiben und sich nie und nimmer mit dem Innern dcS Kindes eng vermählen. Ein anderer nicht minder bedeutender Nebclstand liegt — in der mangelhaften Ausbildung der Lehrer. Ich inöchtc nicht gerne inißverstanden werden und gleichzeitig dem Vorwürfe, als sähe ich die Dinge in allzu trübem Lichte, begegnen: mein hier ausgesprochener Tadel trifft nicht alle jüdische Lehrer Ungarns — denn unter diesen finden sich nicht wenige tüchtige und wackere Männer — ich habe vielmehr bloß den Lehrerstand im Allgemeinen, wie er sich in der letzten Zeit dem unbefangenen Beobachter darbietet, im Auge, und gegen diesen erhebe ich noch einmal mit bestem Gewissen die Anklage der mangelhaften Ausbildung. Freilich inuß zugestandcn werden, daß dieser Vorwurf weniger die Lehrer selbst, als die Anstalten, in denen sie ihre pädagogischen Kenntnisse holcit, trifft, und es ist für den Augenblick gar nicht abzusehen, wie diesem Uebelstände abgeholfen werden könnte; denn die österreichische» sog. Präparandien stehen noch auf einer verhältnißmäßig sehr niederen Stufe und halten den Vergleich mit den deutschen Lchrerseminaricn nicht im Entferntesten aus, und selbst die österreichischen Universitäten, zu deren Besuche sich ein oder der andere Lehramts׳Caudidat entschließt,

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