Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 7 (1858)
- Issue
- Heft 10
- Article
- Briefe aus Ungarn
- Date
- 1858-01-01
- Page
- Seite 372 (sequence 1)
- Language
- German
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372 Briefe cuie Ungarn. Briefe ans Ungarn. in. Tie schule link in neuerer;}tit eine sulche Bedeutung errungen und ist, insbesondere was Ungar» anbelangt, der Gegenstand so vielseitiger Besprechungen geworden, daß ich mich der Pflicht nicht entziehen kann, liier neuerdings einige allgemeine Bemerkungen und fromme Wünsch^ niedcrzulegeir, die die Wichtigkeit des Gegenstandes noch besser ans Licht sehe» solle». Man hat vielfach darüber gestritten, ob die sogenannten Rcligionsschulen. die sich als bloßes Evmplement zu den Staatsanstalten verhalten, den Vorzug vor den der jüdischen Jugend einen Gesammtunterricht gewahrenden Elementarschulen verdienen. Aür beide Einrichtungen sprechen gewichtige Gründe und demnach hat sich die Ansicht nunmehr siegreiche Bah» gebrochen, daß die erstgenannte» Religivnsschulen nur nominell solche sind und gar keine praktische Bedeutung haben. Wenn man sich aus gar keine Weise mehr zu l,elfen weiß und dennoch der Pflicht gerne genügen möchte, so flüchtet man sich in das «syluni i״n(1r!1ntiao und ereilt Neligivnsschulen. Tie Jugend, die aus solchen Instituten bcrvorgekt, bleibt vom eigentlicheu!üdiselien Leben ganz unberührt und weiß höchstens mit einigen nichtssagenden, die innere Leere schlecht verdeckenden Phrasen um sich zu werfen. Tic Wahrheit dieser Behauptung haben einsichtsvolle Männer sogar in solchen Landern anerkannt, wo, wie z. B. in Preußen, die Religionsschulen zu den stehenden Einrichtungen gehören, und ein gewisser Instinel hat die jütischen Borstünde in den zahlreicheil Geineinden des weilen Ungarlandes, in welchem das Schulwesen noch in der Entwickelung begriffen ist, von der zwecklosen Stiftung der Religionsschulcn zurückgebalten. Ungarn hat, so viel ich weiß, fast gar keine ähnliche Anstalt auszuweiscn, und überall tragen die Gemeinden in Uebcreinstimmung mit der Regierung dafür Sorge, Bildungsanstalten zn gründen, in welchen der männlichen und weiblichen Jugend neben den eigentlichen NeligionSgegenftänden auen die Realien gelehrt werden. Dem Besuche christlicher Schulen und der Entfremdung von jüdischer Sitte wird so aufs Kräftigste vorgebeugt /was in einem so kirchlich gesinnten Staate, wie Oesterreich, wo das Eoneordat sich immer mehr Boden zu erringen fuckn. nicht genug hoch angeschlagen werden kann.