Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 7 (1858)
- Issue
- Heft 8
- Article
- Ein exegetischer Versuch über Sprüche Sal. Kap.30 und Kap. 31, V.1-9
- Date
- 1858-01-01
- Page
- Seite 311 (sequence 11)
- Language
- German
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Wissenscha!111 d»« Aufsätze. 311 de» in der Vorze.il wurzelnden Latzungen der überlieferten Religion, zum!heil auch den in solchen Vorschriften ausgeprägte» Grundsätzen de« Rechts und der Silllicbkeit als verjährten Vorurlheilen den Gehorsam aus. wodurch natürlich wiederum die Bande eines gesunden SiaatslebenS gelodert und lbeilweise gelost werden. Zwei Factorcn aber sind es hauptsächlich, die man als Urheber dieses Zerstörnngswerkes bezeichnen kann 1 nämlich die kalte absrraet Verstandesmäßige, darum oberflächliche Schätzung jener dem innersten Gemükhsleben angehörende» HeiUglhümer, ivelche von manchen gefühlSarmen Gebildete» vorbereitet und verbreitet wird, und die wilde Begierde roher Naturen, die sich gern von lästigen fesseln des GesetzeS srei macht. Daher tritt das sittliche Verderben auch in solchen Zeiten a!u häufigsten in den Mreifen der sittlich blasirten Großen und andererseits inmitten der niedrigste» Volksklassen zu Tage; dort als schrankenloser Ehrgeiz und unbegrenzte Habsucht, als schwelgerische Ucppigkcit und entfesselte Wollust, hier als rohe Gewaltsamkeit und als feile oder gefällige Niederträchtigkeit. Die gesünderen Elemente, von denen eine Besserung der Sittenzuslände zu erwarten ist, sinden sich zumeist in de» Kreisen des mittleren Bürgerstandes, der weder Lurch verzweifelte Noth noch durch den Uebermnth des Wohlstandes dem Laster und dem Verbrechen in die Arme geführt wird, in dem auch das sittlich religiöse Bewußtsein zu innerlich und zu lief gewurzelt ist, um von dem flüchtigen Anhauche jeder neuen Lebensansicht zerstört oder gefährdet zu werden. Wenn daher der alte Cato sich hartnäckig weigerte, den griechischen Weisen die Thors seiner Vaterstadt zu offnen, weil er voraussah, daß durch ihre neue Weisheit die Siltencinfalt des alten Roms verschwinden würde, so waren die gotlbegeisterten Männer Israels zu gleicher Besorgniß in so viel höherem Grade berechtigt, als das Hciligthum, zu dessen Schutze sie sich berufe» fühlten, unendlich mehr werth war, als die rohe Tapferkeit römischer Krieger. Grate zivölf Jahre vor dem Regierungsantritte des Pckach nun Halle das bildungöreiche Mittelasien bereits ferne erste große uns bekannt ge« wordene Völkcrströmung nach dem Westen entsendet. Israel war damals zuerst mit Assyrien zwar feindlich zusammengestoßen, aber doch auch und wahrscheinlich schon früher, mit ihm in nahe Berührung gekommen. Denn der damalige Usurpator Menachem hatte sich, um schweren Tribut von dem mächtigen Syrerkönig Phul seinen noch wankenden Thron befestigen lassen. Die in vieler äußerlichen Beziehung weit vorgeschrittene Cultur der Assyrer, besonders ihre