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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1858-01-01 · Heft 7 · p. Seite 253

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
7 (1858)
Issue
Heft 7
Article
Briefe aus Ungarn
Date
1858-01-01
Page
Seite 253 (sequence 4)
Language
German
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IRI
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Brief« aus Ungarn. 258 einem besonder» Steuer- und Rckrutirungsrecht. vom Tabakmonopol und andern ähnlichen Vorrechten der Regierung war.in Ungarn nicht die Rede, und die die Juden in den übrigen Kronländern speciell treffenden Bestimmungen über ״die Familien" sVerheirarhungcn und Begründung eines Hausstandes), über Fleisch - und Lichtsteucr u. s. w. kamen in Ungarn ebenfalls nie zur Anwendung. Die Juden standen allerdings statt unter einem souveränen Herrscherwillen unter der vielköpfigen Herrschaft der Comitatsvorstände, aber diese letzteren waren entweder von Haus aus zu ihren Gunsten gestimmt, oder ließen sich wenigstens leicht judensreundlich stimmen. Die Ober- und Viecgesväne, die Stuhl- und Stadtrichtcr hatten in der Regel vielvermögende ״Hosjudcn", die jede judenfeindliche Stimmung im Keime zu erdrücken wußten. Als eine merkwürdige Erscheinung verdient noch hcrvorgehoben zu werden, daß die seit der Mitte des vorigen Jahrhunderts sich immer kräftiger entfaltende, im Auslande leider zu wenig gekannte ungarische Literatur keine ju den feindliche war. Eine Poesie, die sich ihren Inhalt nicht von Außen her geben ließ und sich über- Haupt nicht nach fremden Mustern bildete, die ihre Gebilde aus der Fülle nationaler Traditionen schuf und, an eine reiche Geschichte sich anlehnend, im Wesentlichen Bolkspoesie war. konnte nicht polemische Zwc.cke verfolgen. Die von einer nüchternen Reflexion nicht zersetzten, in vollständiger Unmittelbarkeit ausklingenden Gesänge von der einstigen Größe des herrlichen Ungarlandes, von den denkwürdigen Türkenschlachten und Freihcitskämpfen, waren von vorn herein nicht in der Weise angelegt, daß sie ein auf ungarischem Boden gastlich aufgcnommcnes Volk hätten schmähen sollen. Der in den Volks« licdern so häufig besungene ״Gott der Magyaren" war ein nationaler Gott, der ohne Unterschied Alle beschützte, denen ein ungarisches Herz im Busen schlug und das ungarische Wort von der Lippe drang. In dieser rein menschlichen Weise faßten ihn die ungarischen Dichter und Literaten auf. fast ohne Ausnahme edle, begeisterte und ritterliche Männer, unter denen ich hier beispielsweise den auch den Deutschen bekannten hochherzigen und feingebildeten Freiherr« von Eötvös, den ungarischen Lord Russell, nenne. Wenn über das religiöse Leben und den Bildungsgrad der un» garischen Juden während dieser Zeit gesprochen werden soll, so müßte eigentlich zuvor ein« genauere Abgrenzung der in dieser Beziehung sich von einander sondernden Gegenden vorgenommen werden. Während in einigen Theilen Oberungarns unter der vorwiegend Polin- Frankel, Monatlschnst VII- 7. 18

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