Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 7 (1858)
- Issue
- Heft 7
- Article
- Briefe aus Ungarn
- Date
- 1858-01-01
- Page
- Seite 252 (sequence 3)
- Language
- German
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252 Briefe aus Ungarn. Bestimmungen wieder aus, und die Lage der ungarischen Juden blieb unter dem arpadischcn Königshause mit unbeträchtlichen Ausnahmen eine befriedigende. Als aber mit dem Aussterben dieser Regentensamilie die Krone deutschen Herrschern zusiel, drang auch deutsche Zn' tolcranz ins Land und lastete auf den Juden in einer Weise, die denselben ihre Lage unter der fast anderthalbhundertjährigen Herrschaft der ungeschlachten Osmancn in Ungarn noch beneidenSwerth erscheinen ließ. Diese unduldsam« Gesinnung der Regenten fand ihren gereisten Ausdruck in der Kaiserin Maria Theresia, die ohne Hinzuziehung der ungarischen Stände den Juden eine von Jahr zu Jahr erhöhte Toleranzsteuer auflegte. Diese selbst durch die Verordnungen des milden Kaisers Josepb II. nicht beseitigte .. Tolcranztare" wurde auf dem Landtage des Jahres 1846 durch die Bemühung vieler edlen ungarischen Magnaten aufgehoben. Die Juden, von denen dieses freudige Ereignis im ganzen Lande durch öffentliche Dankgcbcte gefeiert wurde, sollten eine bestimmte Ablösungssumme bis zum Jahre 1851 entrichten. Inzwischen fiel das bedeutungsvolle Jahr 1848! Die hier geschilderten Zustände, die mit denen der Juden in anderen Ländern verglichen im Allgemeinen günstig genannt werden können, bewirkten, daß die im übrigen Europa geknechteten Söhne ISraelS, bei vorkommenden Auswanderungen, ihr Auge zumeist aus das auch wegen seines unerschöpflichen Reichthums so verlockende Ungarn richteten. So geschah cS, daß zunächst aus den Nachbarstaaten Böhinen. Mähren, Gallizien, Polen, dann aber auch aus allen Thcilen Deutschlands und aus andern fcrngelcgencn Neichen Juden nach Ungarn zogen und im Vereine mit den in Masten aus Deutschland, Frankreich und den nahen Slavenreichen eingcwanderten christlichen Colonistcn jenen Gegensatz der Nationalitäten mitbegründen halfen, der besonders in der letzten Revolution die unheilvollen Reibungen hervorrief, unter denen die Juden als die Neutralen am meisten zu leiden hatten. Was aber vorzugsweise die Lage der ungarischen Juden zu einer günstigen machte und die Einwandcrungslust vermehrte, war der Umstand, daß das Volk durch sein freies Verhältnis zu den Juden die drückenden Bestimmungen der Regierung gewissermaßen aufhob oder wenigstens einen Ersatz dafür bot. Es war dies natürlich nur möglich in einem Land« wie Ungarn, wo das Herrscherhaus — bis zum Jahre 1848 —- nur die Macht und den Einfluß besaß, welch« ihm di« auf ihre Unabhängigkeit stolzen Volksvertreter gewährten. Von