Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 7 (1858)
- Issue
- Heft 7
- Article
- Aristeas
- Date
- 1858-01-01
- Page
- Seite 239 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Aristeas. 239 bekleidenden Juden berichtet. Auch das Gemeindeleben scheint sich zn einem der Steilung und Menge der Inden entsprechenden Organismus auSgebildct zu haben. An der Spitze der Gemeinde stand ein an Anzahl nicht unbedeutender Senat, die Zahl seiner Mitglieder belief sich nach Einigen sogar aus siebeuzig; Synagogen, zn Alexandrien Proseuchen (Gebethäuser) genannt, waren häufig und die große Proseuche wird als ein Wunderwerk angeführt a). Und mehr als diese mit ihrer Zeit hingeschwnndenen Zeichen einstiger Größe sprechen von dem regen geistigen Leben der alexandrinischen Juden die von ihnen im Gebiete der Literatur errichteten Denkmäler. Sie tragen das Gepräge der Religiosität und der Wissenschaftlichkeit, versuchen, durchdrungen und geschwängert von jüdischem und hellenischem Geist, Judenthum und Hellenenthum, Monotheismus und bereits getrübte platonische Anschauungen mit einander auszusöhnen und deren gegenseitige Durchdringung zu bewerkstelligen. Und hat die Nachwelt über diese Versuche gerichtet, fühlt sie noch nach vielen Jahr- Hunderten die Nachwehen jener mystisch-exstatischen Anschauungen, so läßt sie doch den aus religiösem wie wissenschaftlichem Drange hervorgegangenen Bestrebungen Gerechtigkeit widerfahre» und erblickt in den Abirrungen den Tribut, den der die höchste Wahrheit zu erringen sich vermessende menschliche Geist als Zeichen seiner Unzulänglichkeit zollen muß. Was nun irgend einen Beitrag zur Kenntniß und Würdigung dieses -vielfach bewegten und erregten Lebens zu leisten verspricht, wird gern willkommen geheißen. Nicht minder wird hierbei auch der etwa gegebene Aufschluß über das Verhältniß AlerandrienS zu der Mutterstadt Jerusalem zu veranschlagen sein.. Colonien pflegen gewöhnlich, sobald sie durch vermehrte Bevölkerung zu einem gewissen Selbstbewußtscin gelangt sind, in ein UnabhängigkeitSverhältniß zum Mutterland zu treten. Dieses mochte zwar beim ersten Anblicke aus die Juden Alexandriens Jerusalem gegenüber nicht Anwendung finden: eine politische Abhängigkeit konnte von Palästina nicht beansprucht werden, in solchen: Ver- Haltnisse standen die Alexandriner p den Herrschern des Landes, die ihnen vielleicht einige JuriSdictionsrechtc eingeräumt haben mögen, sie aber unbezweifelt in jeder sonstigen Beziehung den 2) Für Alles hier Gesagte dienen Philo und JostphuS als Quellen. Vgl. auch Succa bl, Ketubot 25. 17*