Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 7 (1858)
- Issue
- Heft 7
- Article
- Aristeas
- Date
- 1858-01-01
- Page
- Seite 238 (sequence 2)
- Language
- German
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238 AristeaS. würde Specialitäten an die Hand geben, aus denen ein Gesammtbild der diese Welt leitenden und bewegenden Motive, ihrer LebenSanschaunngen und staatlichen wie sittlichen Verhältnisse herverginge. Versclnnäht doch selbst das stelle Nom nicht, manche Ergänzung seiner Geschichte aus den Schriften des Juden FlaviuS Josephus zu holen; und das alte Egvpten, das vergebens in Hunderttansendcn von mit Schweiß aufgeführten Ban- und Denksteiuen seine Geschichte zu verewigen suchte, sieht deren Wiederbclcbung, wenn irgend eine solche möglich, mir durch Mithülfe der bei demselben, einem 11)111 verbauten Volte angchörenden, Autor aufbewabrten fltaclwichten entgegen. — Doch mit noch größerm Bedauern erfüllt im Interesse der jüdischen Geschichte dieses Stillschweigen. Schloß das dumpfe finstere Mittelalter den Inden von jeder freiem Entwickelung aus, hemmte es mit bluttriefender Geißel jeden Aufschwung auf dem ihm selbst unbekannten Gebiete der Künste und Wissenschaften und vermochte ihm weder das großartige Ausbarrcn, noch die ihm überlegene Geistes- und Willenskraft des Juden Achtung einzuflößen, so sah das Alterthum, auch nach den wenigen uns erhaltenen Nachrichten, auf jedem Gebiete Juden bervorragcn: Alexandrien, Cyrcne und selbst das kaum den Windeln der Rohheit entwachsene Armenien zählte Juden als Feldherrn, Politiker und Philosophen, die, dem väterlichen Glauben mit der innigsten Wärme anhängend, eine die Bildung ihrer Zeit nickt selten überragende geistige Thätigkeit entwickelten. Neben Palästina bietet das alte Alerandrien den meisten Stofs für die Geschichte der Juden. ThcilS durch unfreiwillige Einwanderung — der Ahnherr der nach ihm genannten Dynastie, PtolemäuS Lagi, hatte ans Palästina mehrere Tausende nach dem erst unlängst durch den makedonischen Alexander au den Ausflüsseu des Nils gegründeten Alexandrien versetzt —, theils durch die in ihrem Vatcrlandc ansgcbrochenen Unruhen, wohl aber auch durch das schnelle Aufblühen der bald zur Weltstadt sich erhebenden neuen Metropole augelockt, hatten sich viele Juden in Alcxandrieu ansiißig gemacht. Von den Königen der ptolemäischen Dynastie meist begünstigt, waren sie in ihrer religiösen und bürgerlichen Entwickelung nicht nur nicht gehemmt, sondern sahen sich auch geachtet und gefördert. Der jüdische Philosoph Aristobul war Erzieher des PtolemäuS EucrgeteS, die Juden Chelkia und Anania standen unter einer Kleopatra an der Spitze der egyptischeu Kriegsmacht, und es wird auch von anderen, hohe Aemter