Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 7 (1858)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Die Geschichte der Juden im Trier'schen
- Date
- 1858-01-01
- Page
- Seite 180 (sequence 2)
- Language
- German
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180 Die Geschichte der Juden im Tricr'sche». sein Diener bei Seite tragen mußte, worauf er gestorben. — Der Leser heutiger Tage weiß, was er vou dieser Erzählung zu halten habe, anders nrthcilte das Alterthnm. Es hielt die Kunst, Jemanden iu effigie verbrennen zu können, fürwahrschein Lid). Eine andere Verfolgung, die eine Bekehrung der Juden zum Ziele hatte, erlitten die Trierer Juden im Jahr 1096, wo eine Abthcilung der Krcuzzügler, mit Emicho an der Spiße, auch nach Trier kamen. Viele Juden zu Trier, ein ähnliches Schicksal, wie das ihrer Glaubensgenossen iu andern Städten fürchtend, lödteten, als Wallbrüder sich der Stadt näherten, ihre Kinder und Weiber mit eigner Hand, indem sic Messer in deren Leiber stießen; Frauen und Mädchen füllten ihre Kleider mit Steinen und stürzten sich von der Moselbrücke ins Wasser, wo sie ertranken. Diejenigen Juden, die Lust am Leben hatten, begaben sich mit ihren Kindern und Gütern in den Palast des Erzbischofs Egilbert und flehten unter einem heißen Thränenstromc um seinen Schuß. Der Bischof erwiderte: ״Hat euch, Elende, endlich die Frucht eurer Sünden ereilt, weil ihr den Sohn Gottes gekreuzigt und die Mutter Gottes geschmäht? Bleibt ihr noch länger verstockt, so wird mit eurem Körper auch eure Seele ins Unheil stürzen. Habe» denn, nicht eure Voreltern, die vor Jesus gelebt, ail seine Ankunft geglaubt, warum wollt denn nicht auch Ihr au ihn glauben? Gehet in euch, bekehret euch! Laßt euch taufen, dann sollt ihr mit der Nuhe und dein Frieden eurer Seele auch eure Hinter ungeschmälert wieder erhalten." Da trat -aus der Mitte der Unglücklichen Michäas, ein gesctzkundiger Mann^ hervor und sprach: ״ES ist richtig. Weit besser für uns, wir bekehren uns zum Christenthum, als daß wir ein solch angstvolles Lebcic führen. Sage uns also, zu welcher Glaubenslehre wir uns bekennen müssen." Egilbert bestimmte das katholische GlaubenSbekenntniß näher und MichäaS erklärte, sich taufen lassen zu wollen. Der Noth den Nacken beugend, erklärten auch die übrige» sich zur Taufe bereit; so wurde nun von dem hocherfreuten Bischof der Act der Taufe sofort vorgenommen. Der Bischof selbst taufte den Michäas und gab ihm seinen Namen; di« andern Juden wurden von niederen Geistlichen getauft. Sie alle aber bis auf MichäaS kehrten nach vorübergegangener Gefahr wieder zum Judenthum zurück. DaS energische Auftreten des Kaisers Heinrich IV., der ein Jahr hernach aus Italien zurückkehrte,