Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 7 (1858)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Zur Geschichte der Synagogen-Gemeinde in Königsberg
- Date
- 1858-01-01
- Page
- Seite 177 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2829132-2829220-2829226-2855764--04195-2855788- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Zur Geschichte der Synagogen-Genwind« in Königsberg. 17? daß auch die Heiden (die doch noch Drittheile des ErdbodenS einnehmend und alle Bösen sich dereinst *um wabren Gotte wenden und bekehren mögen. In demselben sollte nun besonders bei einigen Worten, welche sagten, daß jene Völker Nichtiges aubcten, Gottheiten die nicht Helsen können, an Christus gedacht sein. Jndeß Preußen war schon damals nicht das Land, wo solche Dennneiationen besondern Erfolg haben, konnten. Da die Sache sehr viel Aufsehen gemacht und auch die Geistlichkeit aufgeregt hatte, so wurde in einem sowohl deutsch, als mit jüdischer! Lettern gedruckten König!. Edict ck. »l. Kölln a. d. Spree 28. August 1703 die Weglassung der denuncirten Worte besohlen und eine Beaufsichtigung in der Synagoge deshalb ungeordnet. Das Edict enthält Acußerungcn, welche dem Kopfe und Herzen des Königs Ehre machen. Er wünsche herzlich, beißt es im Eingänge, daß dies Volk, welches der Herr ehemals so hoch geliebet, und vor allen andern Völkern zu seinem Eigentbum erwählt hatte, endlich von seiner Blindheit möchte befreit werden. ״Weil aber das Werk der Bekehrung zum geistlichen Reich Christi gehört und unsere weltliche Macht keinen Platz darin sindrt, wonach die Herrschaft über das Geistliche der Menschen dem Herrn aller Herren einig überlassen, so . müssen wir Zeit und Stunde abwarten." — Was den Sinn der Worte anlauget, fahrt das Edict fort, so hätten die Juden angegeben, daß das Gebet schon von den Zeiten Josuä her eristire. Ol» nun wohl auch wegen deS AuSspcicnö und Hinwegspringeuö eS ibnen au Ausreden nicht ermangele, sie auch überall zur Abschwörung des auf's schärfste projcctirt gewesenen und ihnen vorgelegten Eides sich erboten, so habe der König dennoch aus landesväterlicher Sorgfalt gegen alle seine Unterthanen, welche Liebe für sie, als sie selbst deS Erbarmens über sich gehabt, daher den Befehl ertheilt, zur Ablegung des Eides sie nicht anzuhalten, in mehrerer Erwägung, daß man dadurch doch bjö auf de» Grund der Sache nicht kommen werde, die Entheiligung aber deö Namens Gottes sehr zu besorgen stände. Die betreffenden Worte-שרב כורעים sollen also gar nicht mehr gesprochen, das Gebet Aleim in der Synagoge von Einem laut vorgetrageu und von den Andern leise mitgesprochen, auch in der Synagoge öfter deshalb ein gewiffer Aufseher bestellt werden. — Ein späteres Edict vom Mai 1716 bestehlt wiederum die Vcrtheilung des in zweierlei Schrift Gedruckten an die Juden und den Anschlag desselben an den Syna-