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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1858-01-01 · Heft 4 · p. Seite 143

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
7 (1858)
Issue
Heft 4
Article
Scenen aus dem jüdischen Leben im Elsaß
Date
1858-01-01
Page
Seite 143 (sequence 8)
Language
German
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Seenen aus dem jüdischen Leben im (־זי Itop. 143 lichen Xdflf »ach langen Proben und eine»! unstäten Lebe» selbst die Würde eines Ehasan erlangen. Die ganze Woche hindurch unbeschäftigt, treiben diese HülfScantoren verschiedene Gewerbe. Um ihre mageren Gebälter ein wenig zu spicken, unterziehen sie sich der Pflicht, den Kindern die ersten Elemente des Schreibens und Lesens zu einem mehr als mäßigen Preise bciznbringcn, oder sic machen dein Ortsbarbier Concurreuz und lassen die berühmten BuchSwciler- Schccren aus den Gesichtern ihrer GlaubcnSbrüder hcrumspazicren. Die HülfScantoren besitzen noch gewisse Talente, welche ibre Einnahmen steigern. Beabsichtigt irgend ein reicher Mann des Ortes aus Dankbarkeit für einen erhörten Wunsch oder ein unerwartetes Glück, die Synagoge mit einem neuen Sefer zu beschenken, so übernehmen die HülfScantoren die Ausführung der Ccrcmonien, die der Ucbertragung der geheiligten Rolle in die Synagoge vorangckt. Mit Hilfe ausgeschnittener Cartons, welche sie mit Moos und Blirmen bedecken, improvisiren sic einen von Felsen und Schluchten starrenden Berg Sinai, auf welchem während einiger Tage das Sefer als Gegenstand der Verehrung für die Gläubigen ausgestellt bleibt. Beim Herannaben des Hüttenfcstcs werden sic mit der Errichtung und Ausschmückung jener in der freien Lust gebauten Hütten betraut, in denen jeder fromme Israelit mit seiner Familie zur Erinnerung an den Aufenthalt in der Wüste, acht Tage lang wohnen muß. Trotz dieser verschiedenen Hilfsquellen sitzen unsere HilfScantoren dennoch fortwährend im Trockenen. In ihrer Eigenschaft als wahre Künstler geben ste mehr aus, als ste einnchmen; das Spiel, ihre Lieblingsbeschäftigung, verschlingt den größten Theil ihrer Gewinnste. Wenn ihre Börse im Trockenen, ibr festes Einkommen aufgezehrt und ihre außergewöhnlichen Einnahmen verpfändet sind, so tragen sie ihr Uebel in Geduld und erwarten die großen Festtage im September, an welchen der Chasan zu einer ordentlichen Leitung des Gottesdienstes sie während 15 Tagen eben sowenig entbehren kann, wie ein Wagen seine Räder, eine Windmühle ibre Flügel, wenn die ungeduldige Gemeinde sich von den aufzuführenden Gesängen Wunder verspricht und das Bokalorchcster sich darauf durch oftnialige Wieder- Holungen vorbereiten innß. Grade diesen Augenblick wählen unsere Hilfssänger, um mit dem Cantor Streit anzufangen und ihn zu brandschatzen. Sie verlangen mit einem Male eine beträchtliche GehaltSerhöhung und lassen ihn, wenn er dieselbe verweigert, im Stiche. Der arme Cantor schreit: Nerrath, droht und schmeichelt nacheinander. Die beiden GesangShelden halten standhaft aus. Im Dorf«

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