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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1858-01-01 · Heft 4 · p. Seite 141

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
7 (1858)
Issue
Heft 4
Article
Scenen aus dem jüdischen Leben im Elsaß
Date
1858-01-01
Page
Seite 141 (sequence 6)
Language
German
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©eenen <m« dem jüdischen Sehen im ®lfafl. 141 ftifcenc Robe. einen Spitzenmantel und eine mii Rosabändern beladen« Haube. Unterdessen erscheint die große Pauke, die Klappen der Trompeten wallen auf und nieder, die Clarinetten pfeifen. Da tanzt man weder Polka, noch Redowa, noch Masvurka, sondern den dreitaktigen Walzer, den schönsten aller Tänze. Man unterhält sich hier so gut. daß die Idee einer Erfrischung Niemanden in den Sinn kommt; man begnügt sich am häufigsten damit, daß die jungen Mädchen ihre Halstücher, die jungen Burschen ihre Westen abnehmen. Nach jedem Walzer durchlaufen der Tambour und der Flur- Hüter den Saal mit einer mächtigen Gießkanne in der Hand und benetzen ohne Unterschied Fußboden, Zuschauer, Tänzer und Tänzerinnen. Auf den Ball folgt der HocdzeitsschmauS. Am Ende de- Darfes, im Hintergründe eines schmalen Gäßchens wird seit fast einem halben Jahrhundert eine sehr bescheidene Wohnung vom Meister Raphael und seiner würdigen Gefährtin Lea eingenommen. Der Letztere ist der erste Restaurant des Ortes Ein Hochzeitsmahl entspricht nur dann, wenn es von Lea bereitet und von Raphael, dem ersten Garyou seiner Ehehälfte, servirt wird. — An diesem Abend sprühten ungewöhnliche Lichtflammen durch die Heilten runden Scheiben des ״Häuschens. Dieses war nicht blos durch an die Wand gesteckte Kerzen, sondern noch durch eine ganze Reihe nebenarmiger Lampen erleuchtet, die oberhalb eines langen und schmalen, mit einem glänzend weißen, von breiten rothen Streifen durchzogenen Tischtuches angebracht waren. Der Speisesaal selbst diente wie gewohnlich auch als Salon, man erwartete bloS noch die junge Frau und ihre Familie. Bei ihrer Ankunft nahmen die Frauen auf der einen, die Männer auf der anderen Seite Platz; so befiehlt es die Sitte. Man trug nach der alten Weise eine Schüssel nach der andern auf, aber was für Schüsseln! Es ist überflüssig zu sagen, daß die Mahlzeit lange dauerte. Sie ging schon ihrem Ende zu, als ein' Zuwachs von Gästen aus beiden Geschlechtern ankam. Die Reihen preßten sich sofort-an einander und die Männer zogen, um weniger Raum einzunehmen, ihre Oberröcke aus. Gleichzeitig ersetzten sie auch ihre Hüte, die sie immer auf dem Haupte behalten hatten, durch ihre Baumwollenmützen. Wenn in unseren Dörfern eine allgemeine Einladung an eine Familie ergeht, so hütet sich diese wohl, sie wörtlich anzunehmen; der Anstand verpflichtet sie, blos eine oder

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