Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 7 (1858)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Scenen aus dem jüdischen Leben im Elsaß
- Date
- 1858-01-01
- Page
- Seite 140 (sequence 5)
- Language
- German
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140 Seenen aus dem jüdischen Leben irr. Elsaß. neu. Gleich den Personen der alten Atellanen, von denen er direkt abzustammen scheint, unterbrach Hanswurst oft sich selbst, um geradezu irgend einen schlechten Spaßmacher de- Parterres, der die übrigens gestattete Freiheit benutzend ihn zu reizen wagte, anzureden. Hanswurst, der eine lose Zunge hatte und sein Publikum kannte, antwortete mit Lazzi und Quodlibets, die gegen den unglücklichen Angreifer das Lachen des Zuhörerkreises erregte. Oft 'erlaubte er sich, ohne gereizt worden zu sein und — man muß es eingestehen, aus bloßer Freude an der Beleidigung — im Lause seiner Gespräche mit den Puppen, seinen Schwestern, ziemlich deutliche Anspielungen auf dieses oder jenes Ereigniß des TagcS. Wehe dem. der den Meister Rudolph während seines Aufenthalts in Winzenheim aus irgend eine Weise beleidigt batte. Sein unverletzlicher Hanswurst übernahm die Rache. Er schonte bei solchen Gelegenheiten weder die katholische, noch die jüdische Gemeinde, weder den Sacristan, noch de» Synagogencantor, eben so wenig die Nichte des Pfarrers, wie den Sohn de« Rabbiners, die Großen wie die Kleinen, den Bürger wie den Bauern er bemächtigte sich aller Stoffe: eines herrschenden Lasters, einer beliebten Lächerlichkeit, eines momentanen Skandals. Indem er seine komisch-heisere Stimme tiefer anschlug, nannte er Personen und Sachen mit aristophanischem Uebermuthe und commenticte seine Worte durch ein sehr bezeichnendes Geberdenspiel. Hanswurst machte die Freude aller Liebhaber von Geschwätz und den Schrecken aller bösen Menschen aus. Alle diese Vorstellungen wurden in denselben Räumen gegeben, in welchen ich die im Tanzen begriffenen Gäste der Mareni'schen Hochzeit ließ. Es kostete nur eine Kleinigkeit, das Schauspielhaus in einen Tanzboden umzuwandcl».. Die weißen Mauern boten statt der Tapeten ulte Spinnengcwebe. Die Lüftung des Saales war nur zu sehr durch einen Luftzug gesichert, der durch vier trotz der rauhen Jahreszeit ihrer Scheiben beraubten Fensterrahmen pfiff. Die jungen Jüdinnen drängten sich ganz fröhlich längs der Mauern. Sie trugen Schürzen von Taffct, sehr kurze Roben von auffallenden Farben, die längs der weißen Strümpfe breite gestreifte schwarz« Bänder erblicken ließen. Als Fußbedeckung dienten ihnen jene kalbledernen, hechtkopfförmigen Schuhe, die seit undenklichen Zeiten di« Mode des Landes sind. Die Eltern der Neuvermählten, die Freund« und Gäste der beiden Familien, gingen bald dem Rufe de- Orchestcrs nach. Hieraus sah mau da» junge Paar erscheinen. Die junge Frau hatte ihren Hochzeitsanzug von Nachmittag eine licht-