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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1858-01-01 · Heft 4 · p. Seite 139

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
7 (1858)
Issue
Heft 4
Article
Scenen aus dem jüdischen Leben im Elsaß
Date
1858-01-01
Page
Seite 139 (sequence 4)
Language
German
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Scenen aus dem jüdischen Leben im Elsaß. 13geschwärzte Teufel, langbärtig« Einsiedler u. dergl vorstellten. Die Ankunft des Meisters Rudolph, des Direktors des Puppentheaters, war für Winzenheim ein wahres Fest. Während der todtcn Iahrcszeit, d. h. im Sommer, das Schlosserhandwerk treibend, vcrtauschte Meister Rudolph bei dem Hcrannaben des Regens und der Kälte das mechanische Gewerbe mit den srcien Künsten. Es war ein Mann von stattlichem Aussehen, der in jedem Augenblicke zum Lachen anregen konnte. Man mußte ihn nur sehen , wie er au Tagen der großen Vorstellung Punkt 2 Uhr im navolconischen Kleide durch die Straßen zog,, reitend aus einer Rosinante und begleitet von einer lustigen Schaar von Gassenjungen. Seine Trompete vcrsammelte einen Haufen Neugieriger in Baumwollmützen und Holzschuhen. Meister Rudolph tischte ihnen das ins Einzelne gehende. Programm des TagcsschauspielS ans. An den Sonntagen, an wel» chen unser Eomödiant die freie Zeit eines katholischen Znhörcrkreists auSsüllcn sollte, verkündete er von der Höhe seines stattlichen Rosses herab die dramatisirtc Geschichte jener armen Genoveva von Brabant, oder irgend eine Episode aus demfLeben der Heiligen und Märtyrer. An dem Freitag Abenden hingegen führte Meister Rudolph. da er es mit Zuschauern eines andern Eultus zu thun hatte, die Geschichte d«S von seinen Brüdern schmählich verkauften Joseph, oder die Hcldenthat der Judith, oder die Gnade des Königs NhaSverus auf. Damit die Täuschung vollständig sei. trug Meister Rudolph immer Sorge zu verkünden, daß die schöne Esther und ihr Oheim Mardochai sich der hebräische» Sprache bedienen ,werden. Dies bedeutet, daß ste den im Elsaß gebräuchlichen jüdisch-deutschen Jargon anwenden werden; denn derselbe war augenscheinlich nach der Ansicht des Meister Rudolph ehemals die officielle Hossprache zu Susa und Babylon gewesen. Wie sehr bewunderte man den feierlich straffen Gang dieser Figuren! Wie horchte man aus die geschraubten Tiraden dieser hölzernen Personen und auf ihre bald feste, bald näselde. bald in den feinsten Discant übergehende Stimme. In einem Augenblicke besonders verdoppelte sich die Aufmerksamkeit, und es lag die Seele der Zuschauer ganz in ihren Augen und Ohren: es war . nämlich derjenige, wo die Hauptperson des Stückes, die komisch« Person, der obligate Held der Vorstellung, Hanswurst, durch einen furchtbaren Haufen von Flüchen und ein lustiges Lied gleichzeitig emgeführt, auf die Bühne trat, mit vorwärts geneigtem und fast in zwei Theile gebogenem Körper, herabhängenden Armen, boshaft gesenktem Haupte, zwinkernden Augen und fletschenden Zäh-

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