Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1858-01-01 · Heft 4 · p. Seite 138

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
7 (1858)
Issue
Heft 4
Article
Scenen aus dem jüdischen Leben im Elsaß
Date
1858-01-01
Page
Seite 138 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
89% known words query
IRI
…/2829132-2829220-2829225-2855702--04148-2855734
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

138 3׳eenen aus den! jüdische» Leben im Elsaß. bereits verkünden gebart: eine rothkupsernc, siebcnzackige Lampe, ein Waschbecken mit doppeltem Halme, vier Dutzend Zinnteller, ein Paar Leuchter nebst der Lickuscheere, vierzig Men Leinwand, ein Spinnrad, eine Oclflasche, sechs Paar Tücher und eine vollständige Sammlung von Gebetbüchern für alle Festtage in der Sulzbacher Ausgabe, als die Stimme des Eantors durch die Klänge einer praludirendcn Klarinette überschrieen wurde; dies war das Zeichen zum Tanze. In den Dörfern des Elsaß findet der HochzeitSball am Tage Statt, während am Abende geschmaust wird; man unterbält such hierbei nicht weniger als sonst. Bald kamen die freudestrahlenden jungen Männer und Mädchen an. Jeder Herr machte sich zum Eavalier von zwei Damen. Die Eeremonienmeistcr waren der Nachtwächter und sein Freund der Flurhüter, deren jeder eine bebänderte Stange und einen für das Drckester bestimmten Wcinkrng in der Hand hielt. Dieses Orchester war zusammengesetzt aus einem Waldhorn, zwei Clarinetten, einer Servenle, zwei Trompeten und einer großen Trommel. Der Künstler, welcher das letztere Instrument spielte, batte, da er sich bis jetzt nicht vernehmbar machen konnte. Maßregeln ergriffen, um sich zu rcvanchiren; er arbeitete so derb auf seiner Esclshaut herum, daß er alle Scheiben klirren machte. Im Elsaß ist es eine ausgemachte Wahrheit, daß wo bei ländlichen Festen die große Pauk« fehlt das Vergnügen ausbleibt. Um sich in das zum Tanze bestimmte Lokal zu begeben, mußte man fast in die Mitte der Felder gehen. Man erlaube mir, die verschiedenen Veränderungen zu beschreiben, welche dieses Lokal in vorkommenden Fällen zu bestehen hatte. Jin Frühling diente?4 als Fechtsaal; im Sonrmcr häufte der Besitzer zur Erntezeit in demselben seine Getreidegarben auf, daher sah man es auch dort von Rallen und Mäusen wimmeln; im Winter diente es als Schauspielhaus. Jedes Jahr um die letzten Tage des Herbstes nämlich wenn der kalte Wind zu wehen anfing, die Rebe! vom Hochlandsberg auf das Dorf hcrnicdcrstiegen und die geängstigten Meisen in die auf den Wipfeln der entblätterten Bäume ausgestellten Schindelfallen gingen, konnte man mit Sicherheit rechnen, auf dem Wege von Colmar nach Winzenheim, zwischen dem 15. und 20. Oktober, einen langen, geschlossenen, grün bemalten und mit zwei Schind« mähren bespannten Wagen zu treffen. In diesem Wagen ruhte friedlich, cingewickclt in ein dichtes Fadennetz, ein ganzes Böskchen von Holzpuppen, welche Könige. Königinnen, Madonnen. Höllen-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.