Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1858-01-01 · Heft 4 · p. Seite 137

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
7 (1858)
Issue
Heft 4
Article
Scenen aus dem jüdischen Leben im Elsaß
Date
1858-01-01
Page
Seite 137 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2829132-2829220-2829225-2855702--04147-2855733
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Seencn 011« dem jüdischen Leben im Elsaß. 137 Deckte ihn an den Finger der jungen Kran, indem er die geheiligtcn Worte aussprach 1 ״Sei mir geheiligt durch diesen Ring nach dem Gesetze Most« und Israels." Hierauf recitirtc der Rabbiner ein andere« Gebet, und man verließ den Tempel unter den Glück« wünschen der Umstehenden. Der schwierigste und feierlichste Thcil der Hochzeit war vorüber. Die gerührten Gesichter heiterten sich wieder auf. und die Musi? ließ auf dem Rückwege aus die melancholische ..Chnppa-Aric" ein« lustige und frische Weise folgen. Man erinnerte uns jedoch unsere Freude zu mäßigen. Beim Hinaufsteigen in« Dorf bemerkte ich in einiger Entfernung vom Tempel einen kleinen Mann, der gleichsam ans den Zug lauerte und in seiner Hand eine Flasche hin und her schaukelte. Zn dem Augenblicke da wir an ihm vorüberzogen, wurde die mit Wein gefüllte Flasche wider-die Mauer geworfen und bedeckte das Pflaster mit ihren Trümmern. Der kleine Mann war kein Anderer als der Schameß, und diese zerbrochene Flasche erinnerte uns durch ein« einfache Allegorie an die Gebrechlichkeit der irdischen Dinge. Zurückgckebrt in das Haus Marem's, srübstückKn die Neunermahlten, welche bis zu diesem Augenblicke nüchtern geblieben waren. Alle ein geladenen Gäste waren versammelt. Zn einer Ecke des Saales stand ein kleiner Tisch, ans welchem sechs Kerzen ihr Helle« Licht verbreiteten, mit zwei, kleinen Säcken bedeckt, deren angeschwollencr Leib ihren Geldinhalt vcrricthen. Zwei Personen. die weder Verwandte noch Freunde des Hauses sein dursten, entsiegelten je Einer einen der Säckes'und zählten die Summen beim Kerzenglanzc. Nach einigen Augenblicken prangten dreißig Haufen von je hundert Franken, die zusammen die Mitgift bildeten, vor den Augen der Zuschauer in schönen Hundert-Sous-Stücken, und man erklärte, daß der Ehre Genüge geleistet worden sei. An dem entgegengesetzten Ende saß der ״Chasan" feierlich vor einem viereckigen Tische, die Feder in der Hand und «in Register vor sich. Er war in der Amtsklcidung, die aus einem schwarzsammtenen Käppchen und einer weißen Halsbinde bestand. An seiner Krause befanden sich ungeheuer große falsche Topase und eben so an jedem seiner kleinen Finger. Jeder, der dem jungen Ehepaare ein HochzcitSgeschcnk machen wollt«, ging zu diesem Tische hin׳, der Chasan schrieb ihn ein, indem er jedesmal mit lauter und vernehmbarer Stimme den geschenkten Gegenstand und den Namen des Gebers verkündete. Bei jedem dargebotencn Gegenstände erneuerten sich die Ruft des Staunens und der Verwunderung. Ich hatte

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.