Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 7 (1858)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Über den Geist des Commentars des R. Moses ben Nachman zum Pentateuch und über sein Verhältniß zum Pentateuch-Commentar Raschi's
- Date
- 1858-01-01
- Page
- Seite 125 (sequence 9)
- Language
- German
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ttkber den Geist de« Kommentar« de« N. Moses den Nacinnan 7<. 125 der Genuß der Tbiere überhaupt nicht gestattet, und selbst später, als eine so strenge Gcschiedenheit von der Materie nicht mehr statthaft war, mußten gewisse Bestandtbeilc ansgcsondert werden. DaS Blut, als Sinnbild der ungezügelten Lüsternheit, als Sitz des eigentlichen physischen Lebens, muß entsernt werden (שהיטת) (zu Gen. 1, 29; Lev. 26, 6). Als Speise mit dem Menschen vermischt, würde es unfcblbar sich in eine nnnatürliche Verbindung mit der menschlichen Seele bringen und eine Verwilderung der Sitten Hervorrufen (zu Gen. 9, 8 und Lev. 17, 11—14; vgl. jedoch auch zu Deut. 12, 22 ff.). So wie einige Gebote die LoSrcißung des Menschen vom Naturzusammenhange bezwecken, so sprechen andere die Malmung anS, daß der Mensch in die von Gott begründete Naturordnung nicht eigenmächtig eingreise. Nichte im Weltall bängt vom blvßen Ungefähr ab; alle Erscheinungen sind von bestimmten, tosmischen Gesetzen bedingt, und der Versuch des Menschen, den regelmäßigen Verlauf der Weltordnnng zu stören, ist ein Zweifel an der Weisheit des Wcltlcnkcrs, beißt siel! selbst zum zweiren Schöpfer auswerfen. Daher das Verbot der Mischsämcrcien, כלאים (zu Lev. 19^ 19; Gen. 1, 11; 2, 8; Deut. 18, 9 und fast in denselben Worten im Sohar פ׳ ךתת2ים ed. Crem, col. 159 und פ׳ תצא col. 421). Ueberhaupt soll das Geschöpf nicht früher zum Nattlvgenuffe schreiten, bevor eö nicht Gott den Tribut des Dankes gebracht hat. Die Erstlinge der Feldfrnchte, der Ertrag der Pstanzungen in den ersten drei Jahren (עיילת , בפרדים) sind Gott als feierliche Anerkennungen seiner Herrschaft über die Natur geweiht (zu Lev. 19, 28). Kein Gebot muthet dem Menschen etwas ttebernatürlichcs, eine mit der menschlichen Natur unvereinbare Handlung zu. ״Du sollst deinen Nächsten wie dich selbst lieben" ist nach dem Ausdrucke Nachmani'S eine Hyperbel (תפל(ת> und will nur ausdrückcn, daß jeder Neid über die Vorzüge des Mitmenschen aus dem Innern schwinden soll, daß der JSraelit mit gleicher Liebe die ganze Menschheit umfasse; aber der Ausspruch N. Akiba's: - חייך קודמץ לחיי ת::ק־ ist die unmittelbare Stimme der Natur, welche zu überhören kein äußeres Machtgebot zwingen kann (zu Lev. 19, 17). Zahlreiche andere Gebote, die den Israeliten zur Erinnerung an manche wichtige Ereignisse seiner Geschichte veranlassen,