Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 7 (1858)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Über den Geist des Commentars des R. Moses ben Nachman zum Pentateuch und über sein Verhältniß zum Pentateuch-Commentar Raschi's
- Date
- 1858-01-01
- Page
- Seite 124 (sequence 8)
- Language
- German
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124 lieber den Geist des GomineiuarS des R. MoseS ben Nachman rc. Misverhältniß zwischen dem Menschen und seinem Gotte, in welchem jener nicht verharren kann und darf, sondern zu sieb selbst und Gott zurückzukommcn sucht. Dieses Moment der Sühne muß sich vor Allem in der Innerlichkeit ausdrücken, das Bewußtsein einer erneuerten Beziehung zu Gott tritt dann in einer äußerlicken Thai hervor, eS entwickeln sich sühnende Handlungen, die Opfer, als Smubole der neuen Hingebung des ganzen Menschen an Gott. Die Vorrichtungen beim Opfer entsprechen typisch den einzelnen Momenten der zu versöhnenden That. So wie jede Handlung sich vorerst in Gedanken erzeugt, dann in der Sprache und Bollsührnng bethätigt, so übt der Mensch am Opfer den Akt der Handauflegung (סמיכה), legt sein Snndenhekcnntniß ab und gibt die einzelnen Tbcile des OpserthicreS den Flammen preis, entsprechend den Gliedern des menschlichen Körpers, die ihn in der Ausführung unterstützen. Das Opfer ist der sichtbare Träger der Neue und Versöhnung, cS ist der Stellvertreter des sündigenden Menschen und ״das Opfer wird zu Gnaden ausgenommen" (zu Lev. 1, 9 und Gen. 4, 3). Aber nicht blos der absichtliche, sondern auch der uubewußte, absichtslose Abfall von Gott (שוגג) befleckt den Menschen, entfremdet ihn dem liebevollen Verhältnisse zu Gott; deshalb muß auch hier neben der iuneru Reinigung eine äußerliche Rückkehr zu Gott stattsiuden und sich in der Opferhandlung auödrücken (zu Lev. 4, 2). Der Mensch kann sich noch auf andere Arten Gott nähern. Er lebt in einen: doppelten Verhältnisse: zur sichtbaren Natur und zum anßcrweltlichcn Gotte. Dieses Verhältniß kann nicht fortwährend bestehen, indem der Mensch nach dein Ablaufe des NaturdascinS ganz in Gott aufgeheu soll. Er muß also noch im Zusammenhänge mit ihr sich allmälig von ihr loSreißen; denn sie hemmt den freien Aufschwung des Geistes und zieht ihn zu sich in die Ticke. Diese Scheidung von der Natur vollzieht sich aber nicht hloS innerlich, sondern hat ihren concreten Ausdruck an den Spciscgesetzen. Nur die reinen, zahmen Thiere sollen das Band zwischen dem Menschen und der Natur sesthalten, der Genuß aller übrigen befleckt seine Seele und reißt ihn aus der Gemeinschaft Gottes heraus (zu Ex. 22, 30; Lev. 11, 11; Deut. 14, 13; Drascha S. 29). Nor der Entartung des noachidischen Zeitalters, das sich ganz in die Arme der natürlichen Sinnlichkeit warf, war daher