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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1858-01-01 · Heft 3 · p. Seite 101

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
7 (1858)
Issue
Heft 3
Article
Scenen aus dem jüdischen Leben im Elsaß
Date
1858-01-01
Page
Seite 101 (sequence 4)
Language
German
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©«weit aus dem jüdischen Leben im Elsaß. 101 ״Nun, sagst Du mir Nichts? Bewunderst Du dies! Alles nicht?" — Als ich meinen stillen Redner genau ansah. bemerkte ick gar bald, daß die Hand des märchenerzählenden Barbiers über sein Mimt ge-׳ fahren sei und daß Meister Samuel an diesem Tage seine Pflicht mit einer Gewissenhaftigkeit vollzogen hatte, die selbst einem Figaro Ehre gemacht hätte. Ick begriff also die gerechtfertigte Zufriedenheit des Vaters Salonion. Er war der bekannten religiösen Vorschrift treu geblieben und dennoch hatte sein Bart nicht darunter gelitten׳, er genoß hiebei das Bergungen einer überwundenen Schwierigkeit. Das Dorf Winzenheim zählt viele Juden und erfreut sich aller Vorzüge einer großen Gemeinde. Da findet man eine ziemlich schön gebaute Synagoge, eine israelitische Geineindeschule, einen RabbinatSstubl und zahlreiche ״Chevroth‘1. Winzenheim besitzt einen Eantor. der nichts mehr ttnd nichts weniger als eine Berühmtheit ist. und nach dem Ausdrucke des Vater Salomo» in der frankfurter Hauptsynagoge gekört zu werden verdient. Das glückliche Oberhaupt, der ,,Pfimess“ dieser wohlhabenden Gemeinde, war Marem iMairem kl, der Vater unsrer Braut, zu dem wir eben fuhren, um daselbst die Hochzeit zu feiern. Unterwegs theilte mir Salomo» mit, daß Marem durch seinen Handel mit Weinstein tind Ziegenfellew einen Wohlstand erlangt batte, der ihiu gestattete, seiner ältesten Tochter eine Mitgift von 3000 LivreS haar nebst einer Ausstattung zu geben, obwohl er noch zwei andere Töchter zu versorgen hätte, und daß er, geliebt und geschaßt von den Katholiken wie den Israeliten des Ortes, der glücklichste unter deil Sterblichen sei. Einige Sehritte vor dem Dorfe Winzenheim machten unsere Rosselenker ein wenig Halt und schmückten zuvörderst ihre Hüte, dann die Mähne und den Schweis ihrer kleinen Pferde mit rothew Bandern. Hieraus richteten sie sich wieder auf ihren Sitzen auf, ließen ihre Peitschen knallen und führten uns in raschem Lause durch eine tauge Reihe neugieriger Zuschauer bis in das Haus Marem's. Die Art, nach der uns der Parneß empfing, erinnerte an die berühmte Gastfreundschast seiner palästinischen Ahne». Man hätte sich sogar in diesem Punkte einer Täuschung hingeben können, wäre nicht eine ziemlich schneidende Novemberkälte gewesen und hätte nicht eine Baumwollmütze auf dem Haupte unsers ehrbaren Wirthes gesessen. Beim Abendmahle, dem würdigen Vorläufer des Hochzeit»- schmauses, zog der neben seiner Braut sitzende Neffe Salomon's aus seinem langen Oberrocke ein Kästchen. welches er öffnete und vor sie hinstellte. Dieses Kästchen enthielt verschiedene Goldwaaren, lauter

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