Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 7 (1858)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Scenen aus dem jüdischen Leben im Elsaß
- Date
- 1858-01-01
- Page
- Seite 100 (sequence 3)
- Language
- German
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100 Scenen aus dem jüdischen Leben im Elsaß. um die Täuschung vollständig zu machen: weder die ländliche Ein׳ fachkeil des Zunmers und der Möbel, noch die Gutmühigkcit der Gesichter, noch die vor den Spielenden siebenden Bicrkrügc, noch die die Tabakrauchwolken und endlich die Anwesenheit eines gclbgefleckten großen Katers, deö pflichtgemäßen Zeugen aller dieser gemüthlichen Scenen, der behaglich hinter dein Ösen init gekrümmtem Rücken und geringeltem Schwänze kauerte und unsre Spieler mit jenem ruhigen Ausdrucke von tiefer Beobachtung ansah, den die Kaizen zuweilen annchmen seitdem ilmcn Hoffman« bewiesen hat. daß sie unter ihren Ahnen auch Philosophen zählen. Am folgenden Mittwoch sollte die Hochzeit des Neffen meines Wirtbcs gefeiert werden. Das Dorf Winzenheim, wohin wir uns zu begeben hatten, liegt acht Meilen von Bolwiller entfernt. Batet Salomo führte nrich nebst der ältesten und jüngsten seiner Tochter dahin. — Da mein würdiger Wirtb sowohl als sein Bruder cs für sicherer, bequemer und angenehmer hielten, in ihrem eigenen Wagen zu fahren, als sich in einen Waggon der unser» Weg berührenden Eisenbahn eiuzusperren, so hatte man schon seit gestern zwei jener Wagen bestellt, welche man in der Gegend mit Emphase ״Wagen mit Sitzen" bezeichnet, die ich aber lieber ״Brctterwagen" nennen möchte. Der eine war für den Bräutigam und seine Familie, der andere für die Angehörigen Salomon'S bestimmt. Erst gegen l0 Uhr des Morgens waren unsere Leute zur Abfahrt bereit, und noch immer war der Hausherr nicht gekommen. Unterdessen hatte» wir unsere Plätze in den Fuhrwerken eingenommen. Endlich erschien Batcr Salonio aus dem Treppenabsätze des ersten Stockwerkes. Er war Jemandem zugekehrt, den man nicht sehen konnte. Nach der Bewegung seines Hauptes und seiner Hände zu schiießcn schien er dieser Person ein Zeichen unzweifelhafter Zufriedenheit zu geben; darauf stieg er die Stufen der Treppe trotz seiner sicbenzig Fahre in lebhafter Eile hinab. Sein kasccfarbiger. mit tausend Kragen ver« sedencr Carric bedeckte seine Schultern; seine Baumwollmützc war über die Ohren ־ gezogen und sein runder Hut saß ganz straff auf derselben. Er ließ mit Wohlbehagen aus seiner sehr schönen, uiit Silbcrdeckcl und Kettchen gezierten Mecrschaumpseife dicke Rauchwolken des sog. Nölett-Tabaks, den man auf zehn Schritte weit riechen konnte, aufstcigcn. Diese Pfeife und dieser Tabak kamen nur bei festlichen Gelegenheiten an die Reihe. Indem Salomon sich an unserer Seite niderlicß, betrachtete er mich lächelnd und mit einer zufriedenen Miene, welche bedeuten sollte: