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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1858-01-01 · Heft 3 · p. Seite 99

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
7 (1858)
Issue
Heft 3
Article
Scenen aus dem jüdischen Leben im Elsaß
Date
1858-01-01
Page
Seite 99 (sequence 2)
Language
German
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Semen aus bcm jüdischen Leben im Elsaß. 99 fanden bei ihm die ganze muntere Jugend der Umgegend, die in ziemlich lärmender Weise beim ״Spinnholz" sich ergötzte». Diesen Namen führt eine gewisse Festlichkeit, die ein Verlobter seinen Jugendgeführten am Nachmittage des seiner Hochzeit unmittelbar vorangehenden SabbatS bereitet, um damit gewissermaßen vom Junggesellenstande Abschied zu nehmen. Die Braut ihrerseits hat dieselbe Verpflichtung ihren Freundinnen gegenüber, und es ist nicht zu bezweifeln, daß zur selbe» Stunde in Winzenheim die Tochter des würdigen Parneß dieselbe Höflichkeit der weiblichen OrtSjugcnd erwies. Der Onkel Jekel lud mich, wie mein Wirth cs voraus gesehen hatte, in der herzlichsten Weise zur Hochzeit ein. Ich hütete mich wohl eine ablehncirde Antwort zu geben, und verbrachte den übrigen Theil des Tages mit einer Besichtigung des DorseS. Bei unsrer Rückkehr fanden wir ungefähr zwanzig Personen bei Vater Salomo, die sich lebhaft unterhielten, während sie von Zeit zu Zeit durch'» Fenster schauten, um zu sehen, ob der Abenstern schon am Himmel erschienen sei. Es waren dich einige Gläubige, welche die Gewohnheit halten, des Winters an Freitag- und an Sabbat- Abenden zu Vater Salomon zu kommen, um daselbst ihr Abendgebet zu verrichten. Eine solche Ehre wird in den Dörfern nur den Männern zu Theil, die wie mein Freund in der Meinung der ״Kchila" hoch stehen. Die letzten Worte des Abendgebetes brachten dieselbe Wirkung hervor, wie der Pfiff, welcher in den Theatern dem Wechsel der Deeorationen vvrhergeht. Der Sabbat war mit dcnisclbcn Augenblicke beendigt. Das Gemach nahm eine neue Gestalt an, die Schüsseln verschwanden, der siebenarmige Leuchter wurde zur schwarzen Holzdecke hinaufgezogcu. Hierauf traten sechs oder sieben Nachbarn ein, mit Baumwollcninützcn auf dem Haupte, der frisch angezündeten Pfeife im Munde und der Laterne in der Hand, die nach ihrer Ge« -wohnheit, des Winters an den Sabbatabcndcn eine Parlhie bei den SalomonS zu machen pflegten. Der Gewinnst sollte nicht in einem Geidwcrthc sondern in Naturalien bestehen, und er war für diese Stunde eine schöne fette, schneeweiße, mächtiglich an einem Fcnsterhaken pranpende Gans, die an ihrem Orte den glücklichen Gewinner erwartete. Man müßte nur den vom Schicksale Begünstigten sehen, wie er sich plötzlich erhebt und einen eigenen Bote» an seine Frau sendet, um ihr fein Glück zu verkünden! Es war dieß ein« täuschend ähnliche Copie jener innerlich bewegten Bilder, die so wunderbar von den Meistern der flandrischen Malerschulr aufgcsaßt wurden. Nicht» fehlte 8'

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