Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 7 (1858)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Das Zusammenwirken Esra's und Nehemia's
- Date
- 1858-01-01
- Page
- Seite 75 (sequence 4)
- Language
- German
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Wissenschaftliche Aussätze. 76 nun begann dieser Ausschuß seine Sitzungen, ״um die Lache zu untersuchen." Daraus wird uns (E>ra 10, IS—14) ein Verzeichniß mitgethcilt der mit heidnischen Jraucn Verbundenen, non denen jedoch nur die Priester als solche bezeichnet werden, welche sich bereit erklärten, ihre Frauen zu entlassen. (Sin weiteres Resultat jenes Ausschusses ist uns nirgends berichtet. Wohl aber wird (Nch. 1. 2) erzählt, daß Nchemia bei den von Ebanaiü ihm zugesiihrlcn Männern aus Juda sich erkundigt habe ״nach den Jchudim, den Entronnenen, die übrig, d. h. verschont geblieben wären von der Gefangenschaft, und nach dem Zustande Jerusalems." Was ist das für ein Nest, welcher der Gefangenschaft entgangen? Offenbar ist hier zwischen den Büchern Esra und Nehcmia eine Lücke in der Geschichtscrzählung, für deren Ausfüllung vielleicht schon dem Compilatoc selbst die Quelle schlte. Wir sehen aber aus dem Aufange des Buches Nehcmia, daß inzwischen die Juden in Judäa von Nachbarvölkern, wahrscheinlich von denjenigen, deren Führer später Nehcmia so feindselig entgegen treten, überfallen, viele von ihnen gefangen fortgcschlcppt uird die Uebrigen in Unglück und Schmach zurückgelasseie wurden. Und was ist wahrscheinlicher, als daß geradc die Verordnung über die Entlassung heidnischer Frauen jenen Haß der Nachbarvölker angeregt, Md daß letztere gar von den mit dieser Verordnung unzufriedenen Juden hcrbcigcrusen wurden^)? Ja ist es nicht, als sollte durch die Worte (Esra 10, 15): ״Nur Jonathan u. s. w. standen dagegen aus", eine spätere, nunmehr ausgefallene Erzählung eingclcitet werde», die an diesen Widerstand sich Fürsten) und >»ü ihnen (d. h. den Fürsten zur Seite) die Aeiieste» jeder einzelnen Stadt und ihre Richter u. s. w.> abzmvendcn den Zorn unseres GotteS von uns u. f. w. zu dieser Sache." Mit den letzten drei Worten schloß der zu Protokoll genommene Vorschlag. Eben so ist V. 1(> zu erkläre»: ״Und cs wurden ausgeschicden (zum Ausschuß gewählt) Esra der Priester... Männer, Famiiienhäupter für ihr Vaterhaus und Alle mit Namen." wo die Namen der Kürze wegen weggelassen und dafür gesetzt wurde: ״Alle mit Namen." 4) Auch Herzscld (Gcsch. d. D. Ist. von Vollendung des zweiten Temp. l, 41 u. 12V Anm. 1.4) setzt eilten Einsall von Feinden in diese Zwischenzeit, nur daß er den Einzug RechumS und seiner Genossen (Esra 4. 24) darunter verstehen will, wie er überhaupt das Stück Esra (4, 7—24) als eine unter Esra geschehene Verhandlung wegen des Mauerbaues ansieht. Aber dle Worte (Neh. l. 4; vgl. 2. 4): ״Die Diaucr Jerusalems ist zertrümmert, und seine Thorc in Feuer verbrannt," beweisen, daß die Mauer zuvor erbaut und mit Thoren versehen gewesen sei. Die Zerstörung unter Nebukadnezar jedoch kann unmöglich hier gemeint sein, da Nehemia diese nicht erst nach 14l> Jahren von Männern aus Judäa zu erfahren brauchte.