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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1858-01-01 · Heft 2 · p. Seite 57

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
7 (1858)
Issue
Heft 2
Article
Scenen aus dem jüdischen Leben im Elsaß
Date
1858-01-01
Page
Seite 57 (sequence 4)
Language
German
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Scenen aus dem jüdischen?eben im Eisaß. 87 aus einem grünfarbigen Holzgestelle, dessen unterer, einen Schrank bildender Theil ausschließlich zur Bewahrung des Gebetbuches und einiger talmndischer Werke bestimmt war,?ln der Ostseite der Wand bemerkte man ein großes Blatt von weißem Papier, das sorgfältig eingcrahmt war und die bebräische?lnfschrist ״Misrncli“ trug, Der Misrach zeigt den Fremden — dies ist wieder eine?lrt Zuvorkommenhcit — die Richtung, nach weicher er sich beim Gebet zu halten hat. Von zwei Kupferstichen stellte der eine Moses dar, die Stirne umflossen von Lichtstrahlen, in seiner Rechten die Gesetzestafeln, in seiner Linken den elasüschen Stab haltend! der andere den Hohe- Priester?thron, Brust und Schulter mit dem Ehoschen und Ephod bedeckt, das Haupt von der pricsterlichcn Binde umgeben. Oberhalb eines großen Wandspiegels trug ein ungeheuerer Hirschkops abwech» selnd den Hut oder die baumwollene Mütze des Hausherrn, je nachdem er sich zu Hause oder auswärts befand. Nach dem aus den schmackhaftesten Gerichten der clsassischcn Küche bestehenden Mahle, das mit nach traditlonellen Melodien gesungenen Gebeten und Psalmen eröffnet und geschlossen wurde, zeigte mir Vater Salomon an. daß sein Neffe, der Sohn seines Bruders Jekel, sich am folgenden Mittwoch mit der Tochter deö Parncß von Wintzenheim, einem eine Stunde von Eolmar entfernten Dorfe, vcrheirathen werde. ״Mein Bruder Jekel, den Sie morgen sehen werden, wird Sie zur Hochzeit laden. Für heute werden wir, Ihnen zu Ehren, den?!bcnd hier'zubringen. Sind Sie noch immer, wie ehedem, ein Liebhaber von Erzählungen am Feuerherde? Wir haben hier den Nachbar Samuel, der den Freitagabend oft mit uns zubringt. Das ist mir der Mann, der zu erzählen versteht. Fragen Sie nur meine Frau und meine Kinder. Ich wüßte Nichts, was er nicht gelesen oder überhaupt was er nicht behalten hat. Gewöhnliche und außer« gewöhnliche Geschichten, Legenden, Abenteuer, Zaubermärchen — man braucht ihm nur den?lermel zu schütteln, und dies?lllcs fällt heraus. Erlauben Sie mir bloü, mein lieber Orech, eine Bemerkung. Ihr Pariser glaubt wenig oder gar nicht an übernatürliche Dinge. Die Meinungen sind zwar frei, aber wenn Samuel uns eine Zauber« geschichte erzählt, machen Sie keine ungläubige Miene, sonst würde er innehalten und sich ärgern׳, er ist in seiner Weise stolz." In demselben?lugenblickc ließ sich ein schwerer Schritt auf der Treppe hören. Die Thüre ging auf, ohne׳ daß Jemand anklopste. -— Guten Schabes, die Gesellschaft! sagte eine grobe Stimme, die von keinem Andern, als von dem leibhaftigen Samuel herkam.

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