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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1858-01-01 · Heft 2 · p. Seite 56

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
7 (1858)
Issue
Heft 2
Article
Scenen aus dem jüdischen Leben im Elsaß
Date
1858-01-01
Page
Seite 56 (sequence 3)
Language
German
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56 Scene» aus dem jüdischen Lebe» im Elsaß. einen! Freitagabend« in ein israelitisches Haus fommcn, ohne in der Synagoge eingcsprochcn zu haben? Ich ging also, auftichtig gesagt, ein wenig beschämt über meine Verspätung, eilig in die letztere. Mein Wirth, den ich auf der Schwelle des Tempels traf, schien meine Verlegenhcit zu bemerken. Indem er mir cntgcgenkam, mir die Hand reichte und mir in herzlicher Weise da« gebräuchliche ״Salem alechem“ zurief, sprach er: Beruhigen Sie sich, mein lieber Pariser, Sie kommen nicht zu spät. Da ich Sie auf dem Wege wußte, habe ich den Cantvr ersucht, einige Augenblicke zu warten und das 1301 Besalem vor Ihrer von mir nicht bezweifelten Ankunft nicht anzustimmen. Dieser Zug von religiöser Höflichkeit war mir iticht gleichgültig und ich sagte dafür dem Wirlbe meinen Tank. Vater Salomon's Haus bestand, wie alle Häuser der Ortschaft, aus einem Erdgeschosse, das als Waarenlagcr diente, und einem von der Familie bewohnten ersten Stocke. Eine enge, fast senkrechte Treppe, die mit rolbein Sande nbersäet und von eitler Art blechernen, an der Wand befestigten Leuchter erhellt wurde, führte uns zu der mit zwei (?) großen ״ Mesusa's" geschmückten Vorderthüre. Mein Wirth war Familienvater; seine Frau kam mir entgegen. begleitet von zwei hübschen Töchtern mit schwarzen Augen und Haaren, und von drei krästigen Stnaben. Die ganze Familie empfing mich lächelnd. In den elsassischen Dörfern empfängt man iminer die Gäste lachend, besonders wenn man fürchtet, daß sie sich in ihrer Anrede der sranzössschen Sprache bedienen werden. Auf diese Weise wird, indem man sich von einer freundlichen Seite zeigt. Zeit gewonnen. Diese Vorsorge war bei mir ganz unnöthig, der ich mir so viel als nur irgend Jemand darauf zu Gute thue, unser incvrrcclcs, aber seines und umlerischcs jüdisch-elassisches PatoiS in seiner ganzen Correcthcit zu sprechen. Während Vater Solomon mit seinen Sühnen das ״Malaclie Schalon»“ sang, was von dem übrigen Theile der Familie in reli« giösem Stillschweigen angehört wurde, ließ ich meine Blicke um mich herschwcifen. Ich betrachtete mit Wonne alle diese Gegenstände, welche fast in jedem wohlhabenden israelitischen Hause dieselben sind, und die ich oft in meiner Mndheit gesehen und die ihre ursprünglich« Einfachheit bewahrt hatten: die an der Decke befestigt« Lampe, ein zugcrichteter und mit einer rothen Decke bedeckter Tisch, die nahe bei dem großen Ledersessel sich aufwärts hob und die Anwesenheit von. zwei weißen, für den Freitag--Abend angerichteten Broden verrieth. Zn einem Winkel ruhte ein Waschgcfäß mit kupfernem Boden

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