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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1858-01-01 · Heft 2 · p. Seite 55

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
7 (1858)
Issue
Heft 2
Article
Scenen aus dem jüdischen Leben im Elsaß
Date
1858-01-01
Page
Seite 55 (sequence 2)
Language
German
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S eenen audem jüdischen Leben im Elsaß. 55 leben-, bleibt am Freitage beim Eingänge eines jeden Dorfestehen und bewegt sich vor dem Abend denächsten Tages nicht weiter fort. Ich kam also in Bolwiller eines Freitags, gerade in der ״Sabbat, stunde", an. Man nennt so die dem Abendgebet vorangehende Stunde, in welcher die jungen Mädchen ihre durch die außergewöhnlichen Arbeiten des Tages ein wenig in Unordnung gebrachte Toilette wieder zurecht machen. Au dieser Stunde erwarten auch die bis aus den Obcrrock vollständig angekleideten Familienväter das Zeichen, welches sie zum Tempel ruft: sie benutzen diese freie Zeit, durch allmaliges Anbrenncn die Dochte der siebenzinkigen Lampe vorzubereiten, jener Lampe, die ein mehr oder minder vollkommenes Bild des berühmten sicbenarmigcn Leuchters, sich ohne Ausnahme in allen Familien der elsassischcn Dörfer befindet und eigens für sie gearbeitet wird. Indem ich die große Straße hinausging, sah ich, daß in mehreren Häusern solche Lampen angezündet wurden. Da machten plötzlich drei mit einem hölzernen Hammer hier an einem Fensterladen, dort an einer Hausthüre von dein ״Schulkiopfer" in Absätzen angebrachte Schläge einen solchen Lärm, wie eine eben so große volltonende Glocke. Sogleich traten auch Männer und Frauen in Gruppen in ihrem Sabbatstaatc aus den Häusern heraus, um sich zur Synagoge zu begeben. Dieser Sabbatstaat ist den israelitischen Dorfbewohnern eigenthümlich. Der der Männer besteht aus einer weiten Hose von schwarzem Tuch, welche fast ganz die großen, ölgetränkten Stiefel überdeckt, aus einem Ungeheuern blauen Ueberrock mit sehr kurzer Taille, dessen Kragen und Rückseiten über di« Maßen ausgedehnt sind, aus einem an der Grundfläche engen, nach oben sich crweiterndcn Hute, und aus einem Hemde von grober, aber weißer Leinwand, welches in zwei Bäffchen ausläuft, die einen so schrecklichen Umfang haben, daß sie das Gesicht fast ganz verdecken, und so sehr gesteift find, daß, wenn diese guten Leute nach der einen oder andern Seite sehen wollen, Halbkreise nach Rechts oder Links beschreiben. Di« Frauen tragen eine dunkelfarbige Robe, «inen großen rothen, mit grünen Palmen verzierten Shawl und eine mit rothen Bändern überladene Tüllhaube. Ein Sammtband nimmt die Stelle der Haar« ein, welche seit den Hochzeitstagen sorgfältig zurückgedrängt werden. Der Staat wird vollständig durch ein schönes, prächtig in Saffian gebundenes Redelheimer Gebetbuch, welches jede der gläubigen Frauen majestätisch in ihren Händen prangen läßt. Bald befand ich mich allein in der Straße. Ich wärr gern geraden Wegs zu ineiuem Wirth gegangen, aber wie könnt« ich an 5 *

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