Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 6 (1857)
- Issue
- Heft 12
- Article
- Briefe aus Berlin
- Date
- 1857-01-01
- Page
- Seite 453 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Briefe aus Berlin. 463 lingc von der Schule immer wieder zu überwinden bemüht sein mußte. Dieser und andere Uebelstände, welche der Dirigent in seinem ersten Berichte (S. 15 ff.) ausführlich und offen darlegt, konnten demselben zufolge meistens nur durch die directe geistige Einwirkung aus die Zöglinge selbst unschädlich gemacht werden, und diese Ein- Wirkung wiederum war nur durch die ״unermüdliche Thätigkeit, seltene Geduld und Liebe zur Sache von Seiten der Lehrer" möglich. Weil aber diese Anstalt mehr als jede andere Religionsschule stets bemüh-t sein muß, academisch und zugleich jüdisch-theologisch gebildete Lehrer zu besitzen, andererseits aber wegen der nur geringen Zahl von Unterrichtsstunden, welche jedem einzelnen Lehrer übertragen werden können, demselben weder genügende Bcrufsbeschäftigung noch hinreichendes Auskommen gesichert werden kann, so steht zu befürchten, daß di« Schule zu ihrem Nachtheil oft mit den Lehrkräften wird wechseln müssen, was auch neulich durch den Abgang des an die Gemeindeschule nach Dresden berufenen Di׳. Fcilchenfeld geschehen ist. Glücklicherweise ist diese Lücke bald und vollständig ausgefüllt worden durch D1-. Löwenmeyer, der in dem jüdisch-theologischen Seminar zu Breslau, zu dessen Hörern er zählte, sich wohl noch eines guten Andenkens erfreut. Die beiden öffentlichen Prüfungen, die, wie wir hören, ein glänzendes Resultat geliefert haben, so wie die zweimal im Gottes- Hause vorgenommene feierliche Entlassung der reif befundenen Zöglinge haben der Schule einen gebührenden Ruf in der Gemeinde begründet, wofür die zunehmende Frequenz der Schule, wie aus den beiden Berichten zu ersehen, ein deutliches Zeichen ist. Während nämlich die Anstalt mit 71 Zöglingen eröffnet wurde, zählte sie am Schluffe des Winterquartals 1855/56 schon 166, am Schluffe des Winterquartals 1856/57 193 und hat dem Vernehmen nach während des laufenden Schuljahres wiederum an Frequenz gewonnen. Was die Leistungen der Schule betrifft, so gewährt sie den als reif entlassenen Mädchen im Hebräischen die Möglichkeit, an dem Gottesdienste mit Verständniß sich zu betheiligen, da sie die wichtigsten Gebete auf der Anstalt übersetzen lernen und durch die gewonnene Vertrautheit mit Geist und Styl der hebräischen Gebete auch in den Stand gesetzt sind, mit Hülfe einer Uebersetzung andere unübersetzte Stück« sich verständlich zu machen. Die biblische und jüdische Geschichte, letztere herabgesührt bis auf unsere Zeit, so wie der systematische und zusammenfassende Religionsunterricht in der ersten Klasse setzt die Schülerinnen in Zusammenhang Frankel, Monatsschrift. VI. 12. 35