Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 6 (1857)
- Issue
- Heft 12
- Article
- Briefe aus Berlin
- Date
- 1857-01-01
- Page
- Seite 452 (sequence 4)
- Language
- German
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452 Briefe aus Berlin. Alter an das anderweitig erworbene gemeinsame Wissen mit dem Eigenthume Israels in dem Heranwachsenden Geschlecht« zu vereinigen. Hoffentlich werden daher die Erscheinungen gebildeter und selbst hochbegabter Juden, die dem jüdischen Leben, Wissen und Bewußtsein ganz entfremdet sind, immer seltener werden׳. Ganz besonders ist von den weiblichen Zöglingen guter Religionsschulen zu hoffen, daß sie hier die Wärme für das Judenthum aufnehmen und später in ihrer Häuslichkeit verbreiten werden, die heutzutage das Haus selten weckt und öfter sogar erkältet. Behält man aber den Parallelismus der Religionsschulen mit den höheren Lehranstalten im Auge, so wird man leicht einsehen, daß die Lehrenden an jenen, wenigstens in den oberen Klaffen, academisch gebildet sein müssen, wenn anders die Lehrgegenstände den gebildeteren Zögling auch durch die Form anziehen, und wenn — was höchst wichtig ist — der Zögling die Ueberlegenheit des Lehrers auch auf anderen Gebieten in genügendem Grade empstnden soll. Denn nur durch geistige Ueberlegenheit ist es einer solchen Anstalt, der nicht die disciplinarischen Mittel anderer Anstalten zu Gebote stehen, möglich, dennoch Ordnung und Disciplin zu erhalten. Ganz unerläßlich ist diese höhere Bildung der Lehrer in Religionsschulen großer Städte und besonders in der Berliner Religionsschule, deren Bekanntschaft uns den Anlaß zu obiger Betrachtung gab. Hier nämlich muß oft bei der nur etwas reiferen Jugend schon den Einflüssen falscher Kritik entgegengewirkt werden, die sie theils im Hause, theils aber und viel häufiger in der Schule aufnimmt, wo die wehrlose jüdische Religion nicht selten zum Opfer des Kriticismus ausersehen wird. Unsere Bekanntschaft mit der von Herrn Dr. Rosin trefflich geleiteten ״jüdischen Religionsschule" Berlins wird ergänzt durch zwei uns vorliegende Berichte über dieselbe, welche bei den im März v. I. und April d. I. abgehaltenen öffentlichen Prüfungen ausgegebcn wurden. Eine erhebliche Schwierigkeit war dieser jungen Anstalt — sie ist im Januar 1854 eröffnet worden — darin gegeben, daß sie aus Rücksicht aus die weiten Entfernungen der Stadt ihre Unterrichtszeit nur auf die theilweise oder ganz schulfreien Tage (Mittwoch und Sonnabend Nachmittag und Sonntag Vormittag) beschränken mußte, und dadurch, außerdem daß sie eine verhältnißmäßig größere Zahl von Lehrkräften und Schulzimmern erforderte, noch die jedesmal durch die langen Zwischenräume eintretende Entfremdung der Zög-