Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 6 (1857)
- Issue
- Heft 12
- Article
- Briefe aus Berlin
- Date
- 1857-01-01
- Page
- Seite 451 (sequence 3)
- Language
- German
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Briest aus Berlin. 461. richtung des Sabbatgottesdienstes, der im Schulsaale unter Leitung und Aussicht einzelner Lehrer von 1112—׳ abgehaltcu wird. Nachdem einige Lieder gesungen worden, werden einige Gebete von einigen Schülerinnen hebräisch und von andern deutsch vorgetragen, sowie ein angemessener Abschnitt ans der heiligen Schrift vorgelesen. Daran knüpft der Religionslehrer eine Ansprache an die Kinder; ein Choral beschließt sodann den gcmüthsvollen Gottesdienst. Fügen wir noch hinzu, daß diese Anstalt in 8 Stunden wöchentlich für den Unterricht in weiblichen Handarbeiten sorgt und alles dies für׳ einen hier beispiellos niedrigen Saß au Schulgeld — 20—5 Sgr., wofür die Anstalt alle Schulmaterialien noch liefert — ja das. Dank der glänzenden Munifizenz der hiesigen Gemeinde, das jüdische ״jeder Arme trete ein und genieße" gewissermaßen die Devise dieser Schule ist — der fünfte Theil besteht aus Frcischülerinnen — und der Leser wird gewiß das segensreiche Wirken dieser Anstalt unter ihrem würdigen Dirigenten Engelmann anerkennen und mit dem frommen Sänger dankerfüllt gegen Gott sprechen: מפי עולבים וינקים יסדת עז, II. Die jüdische Religionsschule iu Berlin. Es ist ein erfreuliches Zeichen des wiedererwachten jüdischen Bewußtseins, daß in dem letzten Jahrzehnte fast in jeder großem Gemeinde das Verlangen nach einem dem Unterrichte an den höheren Lehranstalten sich an die Seite stellenden und in Form und Methode entsprechenden Religionsunterrichte für unsere Jugend sich regt und neue Institute für diesen specisisch jüdischen Lehrzweig in's Leben ruft: die Religionsschulcu. Während früher dem Knaben, welcher eine nichtjüdische Lehranstalt besuchte, die jüdischen Wisstnsgegenstände im besten Falle durch einen Privatunterricht zugeführt wurden, der in der Regel durch seine Vertreter kaum geeignet war, Liebe und Begeisterung für Judenthum zu wecken, und während bei den Mädchen die ׳Privatbelehrung höchst selten sich über die Geläufigkeit im Hebräisch-Lestn hinaus erstreckte, dafür aber weit öfter ein Theil religiöser Bildung, wie die biblische Geschichte, der christlichen Anstalt überlassen wurde, ist es durch die Religionsschulen ermöglicht, ziemlich parallel den auf der Hauptlehranstalt erstiegenen Bildungsstufen einen methodisch fortschreitenden Gang in den jüdisch-religiösen Wissensgegenständen einzuhalten, dieselben bis zu einem dem Bcdürfniß entsprechenden Abschluß zu bringen und somit von dem frühesten