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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1857-01-01 · Heft 12 · p. Seite 450

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
6 (1857)
Issue
Heft 12
Article
Briefe aus Berlin
Date
1857-01-01
Page
Seite 450 (sequence 2)
Language
German
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IRI
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450 Briefe aus Berlin. den wöchentlich von 14 Lehrern ertheilt, von denen einige Männer von Namen, die meisten acadeinisch gebildet, alle aber voll edler Begeisterung und Hingebung für ihren Beruf find. Es darf wohl kaum erst bemerkt werden, daß der Religionsunterricht im weitern Sinne — Religion, biblische und jüdische Geschichte, hebräische Grammatik, die heilige Schrift im Urtexte, Gebetcübersetzung und Mischna — einen Hauptunterrichtsgegenstand bildet. Das Hebräische nimmt hier etwa denselben Rang ein, wie das Lateinische auf Gymnasien und wird hierin wirklich Erfreuliches geleistet. Referent wohnte in der ersten Klasse einer Lection bei, in der das sechste Kapitel des Jesaja gelesen wurde. Die Schüler zeigten hierbei nicht nur Gewandtheit im Ucbersctzen und ziemliche Beherrschung der grammatischen Form, sondern auch eine gewisse Belesenheit. Es besaß bereits jeder von ihnen einen kleinen Schaß von Reminiscenzen, die sich au jedes Wort und an jede Phrase knüpften. Daß aber die Elementar- und Gymnasial-Lehrgegenstände mit gleichem Erfolge betrieben werden, zeigt der Umstand, daß alle bisher von der ersten Klasse dieser Schule in's Gymnasiuni übergegangenen Schüler in Untertertia aufgenommen und nach einem halben Jahre nach Obertertia versetzt worden sind. Die Anstalt erfüllt sonach ebenso glänzend die Anspräche eines Progymnasiums, sowie sie innerhalb ihrer Sphäre das religiöse Moment zum lebendigen Bewußtsein ihrer Zöglinge bringt. Darum hoffen wir, daß sie bei der sichern Hand, die sie leitet, bei den gediegenen Lehrkräften, die an ihr wirken, bei der Anerkennung, die ihr von allen Edeln in und außer der Gemeinde zu Theil wird, noch lange blühen und eine wahre Pflanzstätte künftiger, würdiger Gemeindemitglieder werden wird. Die Mädchenschule datirt aus dem Jahre 1835. Irren wir nicht, so stand unser hochverehrter Dr. Sachs vor seinem Abgänge nach Prag Lei ihrer Geburt helfend zur Seite. Eröffnet mit etwa 80 Schülerinnen und zwei Klassen, zählt sie jetzt über 2S0 Schülerinnen, die, in 6 Klassen vertheilt, von 6 Lehrern und 4 Lehrerinnen unterrichtet werden. Auch diese Anstalt bewährt sich nicht nur als eine tüchtige Elementarschule, wie aus den Berichten ihres bekannten Spccialaufsehcrs Bonnell über sie hervorgeht, sondern auch als eine jüdische Schule im besten Sinne des Wortes. Das Mädchen lernt hier gewandt und richtig hebräisch lesen und einen großen Theil des Siddur übersetzen, erlangt vollständige Kenntniß der biblischeu Geschichte und genießt in den zwei obersten Klassen einen systematischen Religionsunterricht. Höchst anerkennenswerth ist die Ein-

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