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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1857-01-01 · Heft 12 · p. Seite 447

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
6 (1857)
Issue
Heft 12
Article
Zur Geschichte der Synagogen-Gemeinde in Königsberg
Date
1857-01-01
Page
Seite 447 (sequence 11)
Language
German
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IRI
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Zur Geschichte der Synagogen-Gemeinde in Königsberg. 447 Nähe auf, wo eine angemessene Zahl von Gasthäusern zu ihrem Empfange offen stehen. Die geschäftige Menge dieser Gäste in ihren besondern Trachten verlieh der geräumigen Straße besonders früher einen rigenthümlichen Charakter. Minder Eingeweihte sprachen ihr Interesse an dieser Erscheinung dahin aus, daß sich hier auch das alte israelitische Costüm massenweise vor Augen stelle. Nur mit Befremden vernahmen sie, daß sie im Jrrthum seien, daß die wirklich israelitische Tracht seit undenklichen Zeiten in Europa verschwunden, so weit sie sich nicht etwa theilweise in den türkischen, der ihrer Abstammung nach so genannten portugiesischen Gemeinden Oesterreichs und der angrenzenden Südländer erhalten hat. Daher denn auch einst die Israeliten Posens ihre Begeisterung dadurch eigenthümlich an den Tag legten, daß sie in türkischer Kleidung dem Kaiser Napoleon entgegenzogen. Uns ist es bekannt, daß die Israeliten sich überall der Landestracht anschlossen. Da sie conservativ sind, so geschah es zögernd und das einmal Angenommene blieb dann auch weit über die Modezeit, und man kann sagen, daß sie, in ihrer frühern Isolirung, sich stets nach der neuesten Mode — von vor fünfzig, ja hundert Jahren oder noch älterer Zeit kleideten. So hielt denn auch in Königsberg einerseits bei denjenigen, welche von Deutschland her angezogen waren, wohl lange die altholländische oder altfranzösische Tracht ans, dagegen gingen die aus Polen und Rußland kommenden Israeliten in der altpolnischen Nationaltracht, wozu bei alten Männern, besonders Rabbinern und Gelehrten, noch der weite seidene Ueberwurf und Hut mit breiter Krämpe kam, welche etwa aus dem spanischen Costüm in alter Zeit herübergebracht sein mochten. So war es noch in den ersten Decemnen des 19. Jahrhunderts. Seitdem indeß die Jsolirung immer mehr aufgehört und in Rußland die Gesetze der Beibehaltung der alten Tracht Schwierigkeiten in den Weg gelegt, sieht man unsere einheimischen Israeliten vollkommen nach der Mode des Tages gekleidet und auch die anweseuden Polen und Russen haben sich, mit wenig Ausnahmen, der frühern sogenannten polnisch-israelitischen Tracht entäußert. Diese Abschweifung möge die wechselnde Physiognomie der Stadt und ihrer israelitischen Bevölkerung veranschaulichen. Wir kehren nun zur Geschichte zurück. Haben wir ober! angemerkt, wie die voranssetzlichen, besseren Intentionen des Herzogs durch

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