Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 6 (1857)
- Issue
- Heft 12
- Article
- Zur Geschichte der Synagogen-Gemeinde in Königsberg
- Date
- 1857-01-01
- Page
- Seite 446 (sequence 10)
- Language
- German
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446 Zur Geschichte der Synagogen-Gemeindc in Königsberg. der Burg Königsberg in dem Weichbilde derselben allmälig drei verschiedene Städte, die Altstadt, der Löbenicht und der Kneiphof entstanden, welche jede für sich lange abgeschlossen und öfter mit einander im Streit waren. Der Pregel bildet beim Durchfließen der Stadt von Osten nach Westen ungefähr ein griechisches kleines Sigma (rr), also zunächst dem Ansflusse in's Haff eine Insel. Auf dieser Insel liegt der Kneiphof, über (nördlich) dieser, am Flusse, die Altstadt und an dessen weiteren, östlichem Ende der Löbenicht. Nördlich der Altstadt (ungefähr um die Länge des Durchmessers der Kneiphof-Jnsel von dieser entfernt) ist das Schloß mit den Ueberresten der ältesten Königsbürg. Sie wurde bekanntlich dem Könige Ottokar von Böhmen zu Ehren so genannt, welcher in einem nnr wenige Wochen dauernden Kreuzzuge das Land erobern half und den die Wasserstraße beherrschenden Berg zu befestigen rieth. Andere Stadttheile und Vorstädte schlossen stch nach und nach an die genannten Städte an. Die erste Bildung einer israelitischen Gemeinde erfolgte in der Nähe der Burg, auf der sogenannten Schloßsreiheit, denn es lag in den Verhältnissen, daß diejenigen, welche unter dem besondern Schutze des Fürsten standen, auch aus dessen eigenem Territorium wohnten. Dies veränderte sich indeß nachmals und bis zum Anfänge des gegenwärtigen Jahrhunderts gänzlich, indem die Jstaeliteu aus den höhern Stadttheilen sich fast ganz weggezvgen und sich theilweise im Kneiphofe, der grösten Masse nach aber in der Kneiphösischen Vorstadt besetzt hatten, welche die die genannte Pregelinsel dnrchschneidende Hauptstraße (Langgasse) nach Süden hin, jenseits des Flusses sortsetzt. Daher wurde auch, für die erste Betstube aus der Schloßsreiheit, später die Synagoge in der bezeichneten Vorstadt gebaut, wo sie noch besteht. Denn diese Stadttheile, durch welche die Hauptschifffahrt geht und welche die Importe und Exporte vermitteln, mußten sich der kaufmännischen Geschäftigkeit am meisten empfehlen. Erst seit wenigen Decennien hat der Strom der israelitischen Bevölkerung, wenn auch nur theilweise, begonnen, sich wieder nach den höhern Stadttheilen hinzuziehen, da die stets zunehmende Lebhaftigkeit und Mannigfaltigkeit des Verkehrs die weitere Ansbreitung der Kaufstätten zuläßt und nöthig macht. Indeß die aus Rußland und Polen ankomm enden Kausleute halten sich unverändert ausschließlich in der genannten Vorstadt und deren