Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 6 (1857)
- Issue
- Heft 12
- Article
- Zur Geschichte der Synagogen-Gemeinde in Königsberg
- Date
- 1857-01-01
- Page
- Seite 441 (sequence 5)
- Language
- German
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Zur Geschichte der Synagogen-Gcmcinde in Königsberg. 441 jener Länder, als Getreide, Flachs, Hanf, Leinsaat u. s. w., auf sehr langen flachen Fahrzeugen, Wittinnen genannt, nach Königsberg. Sehr häufig sieht nian den Inhalt dieser Fahrzeuge unmittelbar in Seeschiffe überladen, um von diesen nach anderen Ländern exportirt zu werden. Dagegen wiederum werden Manufactur-, Colonial- und Eisenwaaren von Königsberg nach Polen und Rußland geführt. Die hervorragende, mercantilische Ausgäbe dieser Stadt ist also, zwischen den östlichen Nachbarländern und dem westlichen und überseeischen Auslande den Handel zu vermitteln. Ein großartiges Verständniß dieser geographischen Lage entwickelte fich von Seiten der Einwohner in früheren Jahr- Hunderten nur allmälig, aber einen lebhaften Verkehr mit Polen finden wir schon sehr früh in vollem Gange. Derselbe wird jetzt und wurde schon in alten Zeiten durch Israeliten betrieben. Sie waren die Factore der polnischen Magnaten und kamen nach Königsberg, um für dieselben Verkauf und Einkauf zu besorgen. So wurden die Israeliten für Königsberg eben so unumgänglich und unentbehrlich, wie für ihre Thätigkeit und ihren unermüdlichen Unternehmungsgeist dieser Ort unausweichliche war, dessen geschäftliche Weltstellung sie bald begriffen und dessen beginnenden Großhandel sie geschaffen haben. Mochten daher die Landesprivilegien, besonders aus religiösen Bedenken, ihre Zulassung normativ hindern, die Kurzsichtigkeit der damals auftretenden Malzenbräuer, Kaufleute und Krämer diese thatsächliche Lage nicht begreifen, der Regierung konnte sie nicht entgehen; siegewahrte den Inden, wenn auch anfangs hart und zögernd, Duldung und Schutz, damit sie, wie es in den Rescripten heißt, den Handel heben, damit sie nicht, zu sehr geplagt, den Ort meiden und der Geschäftsverkehr mit ihnen eine andere Richtung einschlage, und die königliche Schatulle zog von den ״vergleiteten" und ״Schutzjuden" den zwiefachen Vortheil directer Abgaben und derjenigen vermehrten Einkünfte, welche aus der immer reicher werdenden Handelsstadt flössen. Wenden wir uns nun von diesen allgemeinen Andeutungen, deren nähere Beweise wir nicht schuldig bleiben werden, zur speciellen Geschichte der israelitischen Niederlassung in Königsberg, so fehlt es derselben gewissermaßen nicht an mythischen Anklängen. Denn wir finden bei ältern christlichen Schriftstellern theils im Ernste behauptet, die ursprünglichen Preußen selbst stammten