Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 6 (1857)
- Issue
- Heft 12
- Article
- Zur Geschichte der Synagogen-Gemeinde in Königsberg
- Date
- 1857-01-01
- Page
- Seite 440 (sequence 4)
- Language
- German
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440 Zur Geschichte der Synagogen-Gemeinde in Königsberg. lieben, wie dich selbst." Und außerdem sagt Moses — und mit ihm nothwendig auch Christus — (3. Mos. 19, 18. 19.): ״Halte keinen Zorn, trage deinem Mitinenschen seinen Fehl nicht nach, liebe ihn wie dich selbst." An Israeliten muß also die christliche Liebe zur unbeschränkten Bethätignng gelangen, wenn sie voll und wahr das ist, als was sie sich bezeichnet. Für Israel ist also auch die Behandlung, die es selbst unter den Völkern erfährt, der Gradmesser der fortschreitenden Cultur und Sittengeschichte.. Es ist interessant, das Gähren der hier einschlagenden Ideen und die einzelnen Hebel ihres allmälig sich vorbereitenden Sieges an Ort und Stelle ganz nahe zu beobachten, zumal wo Israeliten durch ihre Tüchtigkeit und Nützlichkeit inmitten der Mißgunst sich Anerkennung zu verschaffen wußten. Insofern bietet die Geschichte einzelner israelitischer Niederlassungen einen werthvollen Beitrag zur neuern israelitischen Geschichte überhaupt. Die ältere Geschichte der Israeliten in Königsberg trägt zwar das trübe Kolorit damaliger beschränkter Einsichten und Vorurtheile, sie hat aber keine schwarzen Seiten. So wie die Stadt in neuer Zeit durch ein sehr bedeutendes Maß allgemein verbreiteter Bildung vor socialen Gebrechen, als der Jsolirnng einzelner Klassen und Stände, oder gegenseitiger Anfeindung, glücklich bewahrt blieb, vielmehr Alles sich zu freundlich geselligem Vernehmen und gegenseitiger Hülfe unter einander mischt, so weist auch die älteste Geschichte hier kein Beispiel jener brutalen Rohheiten auf, wie sie wohl in anderen Ländern vorkamen. Vernunft und kurzsichtige Selbstsucht führten mit einander längere Zeit hindurch in Rücksicht der Israeliten eine Art nicht sehr schädlichen Plänklergefechtes, und zu ihnen trat vermittelnd noch ein dritter Factor,— die Nothwendigkeit. Königsberg liegtam Ausflusse des Pregels in das Haff, welches sich einige Meilen weiter in die Ostsee ergießt. Dort bildet das befestigte Pillau einen guten Seehafen. Aber auch nach Königsberg selbst koinmen große, zwei- und dreimastige 'Handelsschiffe, wo sie durch verschiedene Flußarme bis an die Thüren der Magazine und Speicher gelangen, und so auf das Bequemste und ohne viele Kosten ihre Ein- und Ausladungen bewirken können. Andererseits steht der Pregel mit Wasserstraßen in Verbindung, welche bis in das innere Polen und Rußland führen. Auf diesem vielbenntzten Wege kommen die Prodncte